Fincke

 

Geh. Sanitätsrat Dr. med Fincke

 

Zeichnung von

Anton Klamroth 1909

mit folgender Widmung:

 

Dem hochverehrten

Herrn Geheimrat Fincke zur freundlichen Erinnerung

 

A. Klamroth

 

 

 

 

 

Geh. Sanitätsrat Dr. med. Fincke

geb. am 08.10.1826

gest. am 06.06.1915

 

1878 übernahm Dr. Fincke als erster angestellter Arzt die Leitung des St. Salvator Krankenhausees.

In seiner mehr als 20jährigen Tätigkeit entwickelte er die Heilanstalt zu einem ordentlichen Krankenhaus.

Im Jahre 1899 wurde vom Kuratorium der Vereinigten Hospitäler ihm zu Ehren eine Marmortafel in der Eingangshalle des Krankenhauses angebracht.

Zu seinem 80. Geburtstag ehrte ihn die Stadt Halberstadt durch die Verleihung der Ehrenbürgerrechtes und durch die Benennung einer Straße Halberstadts nach ihm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gedenkbuch der Familie Fincke in Halberstadt

 

 

 

 

 

 

Kurze Nachrichten über unsere Familie.

 

Ich, Bernhard, Arnold, Ludwig Fincke, bin geboren zu Burgsteinfurt in Westfalen, am 8.Oktober 1826 als jüngster Sohn des dortigen Pastors der evangelischen Gemeinde Ernst , Daniel, Philipp Fincke und seiner Ehefrau Ernestine, geb.Giffenig , welche am 28.Mai 1837 starb.

 

Im Herbst 1842 kam ich auf das Gymnasium zu Soest, machte dort Ostern 1845 das Abiturienten-Examen und bezog die Universitäten: Bonn Ostern 1845 bis 1847; Göttingen 1847 bis 1848; Halle 1848 bis1849 wo ich als einjährig freiwilliger Arzt zuerst im 12. , dann im 19.Infanterie diente und am 10.März 1849 zum Doktor medicinae promovierte und Berlin vom 15 Mai 1849 bis April 1850, wo ich das Staatsexamen gemacht hatte. Anfang September 1850 lies ich mich in Gröningen bei Halberstadt als Arzt nieder, wo die Cholera schrecklich gewütet und auch den Arzt hinweg gerafft hatte. Hier verlobte ich mich am 26.Juli 1836 mit Caroline, Juliane Agnes Schneider, geboren am 24.Januar 1836 in Posen, Tochter des ehemaligen Apothekers und Stadtrates Justus, Friedrich Schneider und seiner am 13.Mai 1847 verstorbenen Ehefrau Auguste geb. Sachs aus Berlin. Der Vater Schneider besaß eine Apotheke in Posen und zog nach Verkauf derselben mit seiner Familie im Sommer 1844 nach Berlin, wo er als Rentner lebte und mehrere Jahre als Stadtrat Mitglied des Magistrats war. Aus erster Ehe blieben ihm nach dem Tode einer Tochter Auguste noch zwei Kinder, Julius und Agnes meine Frau. Im Dezember 1848 verheiratete er sich wieder mit Louise Blaurock aus Stettin, aus welcher Ehe 3 Töchter hervorgingen, Helene, Louise und Fanny. Der 1849 verstorbene Bruder des Vaters Schneider war Superintendent und Oberprediger in Gröningen, bei dessen Witwe ich meine dort zum Besuch weilende Braut kennenlernte.

Am 25. August 1855 wurden wir in Berlin in der Werderschen Kirche von meinem lieben alten Vater getraut und nach einer kurzen Hochzeitsreise nach Hamburg zogen wir in Gröningen ein.

 

Am 21.Dezember 1856 wurde unser ältester Sohn Oscar geboren, am 7. Januar 1858 unsere Tochter Martha. Am15. Mai 1858 siedelten wir nach Halberstadt über. Im Sommer 1859 wurde ich zur mobilgemachten Armee (italienischer Krieg Louis Napoleons) einberufen (nach Magdeburg) während welcher Zeit Frau und Kinder bei den Eltern in Berlin lebten. 1860 am 6. September wurde unser drittes Kind Ernst geboren. Am 18. Juli 1865 unser viertes und letztes Kind Therese.

 

1863 am 16.Oktober starb zu Burgsteinfurt mein teurer Vater Fincke. 1866 im Juli nach der Schlacht bei Königsgrätz ging ich freiwillig auf eigene Gefahr aufs Schlachtfeld und übernahm auf Ersuchen des Generalarztes Dr. Wagner aus Königsberg als Chefarzt das Lazarett von Horenoves (nicht lesbar) . Im März 1867 wurde ich zum Sanitätsrat ernannt und zwar wie es in der Amtsblatt-Bekanntmachung hieß „wegen seiner der Armee im Felde geleisteten Dienste“.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Sommer 1868 kaufte ich das Haus am Domplatz 41 und im September zogen wir in dasselbe ein.

 

 

 

 

Haus am Domplatz 41 fotografiert Juni 2007

und als Gemälde unten

 

 

 

Ähnliche Ansicht Juni 2007

 

1870/71 war ich Arzt an einem der hier errichteten Reserve Lazarette. 1875 am 3.Juli starb zu Zehlendorf bei Berlin während des Sommeraufenthaltes unser lieber Vater Schneider. Er wurde auf dem dortigen Friedhof begraben.

 

1880 am 8.Mai starb zu Berlin-Friedenau die liebe Mutter Schneider und wurde ebenfalls in Zehlendorf beerdigt. 1880 am 25. August feierten wir unsere silberne Hochzeit. 1884 im April übersiedelte unser Ernst, nachdem er hier in Halberstadt seine einjährige Dienstpflicht abgeleistet hatte, nach Omaha, Nebraska, Nordamerika. 1884 Ende Oktober zog unser Sohn Oskar nach Bremen um sich selbstständig zu machen .1885 erkrankte ich an Blutvergiftung und lies mich am 1.Juli im Magdeburger Krankenhaus von meinem Freunde Geh.San.Rat. Dr.Hagedorn operieren.

 

1886 im Juni verlobte sich unsere jüngste Tochter Therese mit dem Kaufmann Ernst Joesting, damals Magdeburg, später London , jüngster Sohn meines Kollegen Dr. Joesting hier und feierte ihre Hochzeit in unsrem Haus am 1.Juli 1887. Getraut wurde das Paar im Dom von dem Herrn Superintendenten Dr. Jahr und reiste dann nach London.

 

 

 

Therese Joesting geborene Fincke

 

 

 

 

1888 nachdem wir erst unsere Kinder dort besucht hatten , wurde unser erstes Enkelkind Erica

 

 

 

 

 

 

Erica Joesting (später Kolbe) mit ihrem Vater

 

geboren am 15.November . 1890 am 11.Januar im Begriff nach Hamburg abzureisen, wohin sie übersiedelten, wurde unseren Kindern ein Söhnchen, Curt , geboren, welches ein Jahr später in Hamburg starb. 1892 am 16.März wurde ihnen wieder ein Söhnchen geboren, Norman.

 

1893 am 26. August während unseres Aufenthaltes in Oberstdorf im bayrischen Allgäu erhielten wir von unserem lieben Schwager Julius Schneider aus Omaha, Nebraska Nord-Amerika nach 9 Jahren die erste Nachricht über unseren Sohn Ernst , den er dort gefunden und besucht hatte. Am 23 .Oktober bekamen wir von Ernst selbst einen ausführlichen Bericht. Er ist kaufmännischer Gehilfe in einem großen Geschäft seit 2 ½ Jahren, ist seit 1891 verheiratet mit Regina, geb.Laux aus der Gegend von Frankfurt am Main und hat ein Söhnchen Herbert, geb. 11. September 1892. Am 4.Mai 1894 wurde ihm ein zweites Söhnchen, Ludwig, geboren. 1894 am 26. September wurde unseren Kindern Ernst und Therese Joesting in Hamburg ein Söhnchen, Hans geboren, dessen feierliche Taufe am 3.Weihnachtstage in unserer , meiner und meiner Frau, meiner Tochter Martha’s und unseres Sohnes Oscar’s Gegenwart vollzogen wurde.

 

1895 mittels Königlichen Patentes vom 8. April wurde ich zum Geheimen-Sanitätsrat ernannt. 1896 am 21.März wurde unserem Sohn Ernst in Omaha ein Töchterchen Agnes geboren. 1897 gegen 12.00 Uhr nachts wurde unseren Kindern Ernst und Therese Joesting in Hamburg ein Söhnchen, Jürgen, geboren. Am 10.März 1899 wurde mein 5o jähriges Doktor-Jubiläum mit großen Ehren feierlich begangen.

 

Am 9. Februar 1901 wurde unseren Kindern Joesting ein Söhnchen, Ernst geboren. Am 31. August 1902 feierten wir nach Rückkehr von einer Reise durch Norwegen mit allen unseren Kindern im Joestingschen Hause das glückliche Wiedersehen mit unserem Sohn Ernst aus Omaha, nach 18.jähriger Trennung. Am 1.November reiste er von hier wieder ab und am 15.November von Hamburg nach NewYork und Omaha.

 

Am 18. Juni 1903 wurde unseren Kindern Joesting ein 6. Söhnchen Antonio, Wolf geboren, das siebte Kind starb am 22.Juni 1904.

 

 

 

 

Therese Joesting geb. Fincke in der Mitte von ihren Kindern:

 

Erica Maud (später verh. Kolbe)

geb. 15.11.1888 in London

gest. 08. 04.1972 in Hamburg

 

Normann Ernst, Dr. jur. Leutnant

geb. 16.03.1892 in Hamburg

gest. 20..05.1918 in der Ukraine (1. Weltkrieg)

 

Hans, Direktor in Sao Paulo, der Bayer-Werke

geb. 26.09.1894 in Hamburg

gest. 27.12.1938 in Sao Paulo

 

Jürgen

geb.16.01.1897 in Hamburg

gest. 13.08.1915 in Ponjewicz, Kurland (1. Weltkrieg)

 

Joachim-Ernst, Kaufmann

geb. 09.02.1901 in Hamburg

gest. 20.08.1969 in Jaragua do Sol

 

Antonio Wolf

geb. 18. 06.1903

gest. 22.06.1904

 

 

 

 

 

Am 5. September 1903 auf einer Seereise, welche nach Neapel geplant war, starb an Bord des Dampfers „Feldmarschall“ im Hafen von Lissabon unsere geliebte Tochter Martha, welche hier in Halberstadt am 17. September auf dem städtischen Friedhof beerdigt wurde.

 

Am 27. November 1904 erkrankte meine liebe Frau an Magenblutung und erlitt am 29.November einen lebensgefährlichen Blutsturz durch ein Magengeschwür von welchem sie sich nur langsam erholte.

 

Am 11.Januer starb in Bremen unser ältester Sohn Oscar. Er wurde am 14. Januar feierlich bestattet auf dem dortigen Friedhofe.

 

Am 25.August 1905 feierte ich mit meiner lieben Frau in Hamburg bei unsren Kindern Joestings das Fest der goldenen Hochzeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 12.Mai 1906 kam unser Enkel Herbert Fincke aus Omaha zu uns um hier weiter erzogen und ausgebildet zu werden.

 

Am 8.Oktober 1906, an meinem 80.Geburtstag wurde ich zum Ehrenbürger der Stadt Halberstadt ernannt. Der künstlerisch ausgestattete Ehrenbürgerbrief wurde mir durch eine Deputation beider städtischer ........überreicht.

 

Am. 28.November 1911 verheiratete sich unsere Enkelin Erica Joesting mit Herrn Werner Kolbe in Hamburg. Zur Feier der Hochzeit der beiden fuhren wir nach Hamburg.

 

 

 

 

Am 29.August 1912 wurde ihnen ein Töchterchen Monica geboren. Um diese Zeit wurde mir allerhöchst der rote Ad?. Orden 3. Klasse mit der Schleife verliehen.

 

 

 

Monica Kolbe (verh. Wieman)

 

 

 

 

 

 

Am 30.Juni 1913 starb, o Jammer, unsere geliebte Tochter Therese, nachdem wir sie 3 Wochen zuvor bei unserer Rückkehr von einer Seereise nach Madeira noch vergnügt wenn auch schon herzkrank gesehen hatten.

 

Am 25. September verliess uns unser Enkel Herbert, nachdem er hier 5 Jahre das Realgymnasium besucht hatte und 2 ½ Jahre die Lehre in dem Bankgeschäft des Herrn Vogler durchgemacht hatte, um in London eine Stelle in einem kaufmännischen Geschäft zu übernehmen

 

Am 16.Juni 1914 wurde unserer Enkelin Erica ein Söhnchen , Hans -Werner geboren.

 

 

 

 

 

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Erica Kolbe, geb. Joesting mit Monica und Hans-Werner

Abschrift (Auszug)

 

Das Pfarramt IBlomberg, 19. Februar 1938

 

 

Herrn Konrektor i.R. Koppelmann, Mühlheim

 

Anbei erhalten Sie die gewünschten Urkunden. Die Familie Fincke lässt sich noch eine Generation weiter zurückverfolgen; freilich kann nur je eine Urkunde (Sterbe- und Heiratsurkunde) ausgestellt werden. Von Joh, Ludolph F. habe ich den vom Magistrat s.Zt. ausgestellten Meister und Freibrief in Abschrift in Händen. Fincke Kaufmann, er gehörte der Kramergilde an, wurde dann zum Rezepter Camerarius der Stadt erwählt. Das Protokoll über seine Wahl dazu ist in Abschrift in meinen Händen. Falls Ihnen an den Abschriften selber gelegen ist, teilen Sie mir das wohl mit. Über seinen Vater Balzer (Balthasar) habe ich Auszüge aus verschiedenen Stadtprotokollen in Händen.

Joh. Lud. Fincke’s Witwe heiratete 1.10.1732 den Rektor Joh. Christoph Osterhage(n) in Horn. Sie wird wohl dort (Horn/L) gestorben sein. Ihr Todestag ist hier nicht beurkundet.

Gez. Thelemann, Suptdt.

 

 

P.S.

 

Von Joh. Ernst Fincke, geboren 8.10.1718 in Blomberg, Pastor in Wetserkappeln war der Vater des von 1778 bis 1781 in Detmold und 1781-1807 in Barntrup amtierenden Pfarrers Johann Philip Ludolf Fincke. Dieser war Konrektor in Duisburg, wurde 18.10.1778 ordiniert, er starb 11.1.1807 in Barntrup. Um 1785 beschwerte sich die Lippesche Regierung über seinen Hang zur „Pietisterei“ und stellte an das Konsistorium den Antrag, ihn wegen Sektiererei seines Amtes zu entsetzen. Um 1799 fing er an eine „Industrieschule“ zu gründen. Das war eine Spinnschule für Kinder unbemittelter Eltern. Sein Gedicht: Der Erlöser sterbend auf Golgatha, siehe Lippische Inteligenzblätter 1779. (Lipp. Landesbibliothek)

Die Eheschließung Fincke-Kästing ist nicht beurkundet, da die Trauregister von 1709-1711 fehlen. Wahrscheinlich hat die Trauung 1710 stattgefunden.

gez. Thelemann

 

(Bezieht sich auf den obigen Johann Ludolph Fincke (Kaufmann)