Familienstiftung Sack

Aus der Berlinische Monatschrift (1805)

 

 

Die Sackische Familienstiftung.

 

Eine sehr merkwürdige neuere Stiftung in unserem Lande, die gewiss zu den seltensten in ihrer Art gehört, verdient eine allgemeinere Bekanntwerdung. Sie zeichnet sich aus, sowohl durch die Menge der Teilnehmer, und die mannigfachen Bestimmungen der Fälle in welchen die Teilnahme stattfindet, als bei weitem noch mehr durch das ganz außerordentlich große Kapital, welches zur Bestreitung der Ausgaben dient. In den vierzehn Jahren, seit welchem sie besteht, wurde zwar, wie man leicht erkennen kann, wohl überhaupt, von den derselben gesprochen, auch das Genauere darüber Manchem mitgeteilt. Dennoch ist selbst vielen Mitgliedern der stiftungsberechtigten Familien (geschweige dem größeren Publikum) die Beschaffenheit der Sache, der vollständige Inhalt der Verordnungen des Stifters, und dessen gesamtes Testament, bisher völlig unbekannt geblieben. Erst seit wenige[en] Monaten liegt alles dies in einer offiziellen Druckschrift vor Augen. Allein, diese Druckschrift ist nur zum Behuf [= Zweck, Nutzen, Vorteil] der Belehrung der Stiftungsberechtigten, nicht für den eigentlichen Buchhandel, erschienen; und so wird ein Auszug daraus um so willkommener sein.

 

 

 

 

 

Der denkwürdige Mann, welcher die wegen ihres Umfangs und ihres Reichtums bewundernswerte Stiftung errichtet hat, ist Herr Simon Heinrich Sack, Hof- und Justiz-Kommissionsrath zu Glogau [Heute in Polen]; gestorben am Ende des Jahres 1791.- Sein Großvater, Georg Sack, war Rathskämmerer zu Harzgerode im Anhaltbernburgschen [Bernburg nahe Halle, genau wie Harzgerode. Entfernung Bernburg Harzgerode rund 60 km, Sachsen-Anhalt], geb. 1642, gest. 1703. Er hatte elf Kinder, wovon, der uns hier ?beschdfrigenden?[kann ich nicht lesen aber Heute wohl = bechwerten] Vermächtnisse wegen, nur zwei Söhne zu erwähnen sind: 1) Daniel Sack, Bürgermeister zu Harzgerode, geb. 1671, gest. 1761, Vater des im Preußischen Staat unvergesslichen Oberkonsistorialrat [Konsistorium hier= Kirchl. Behörde, entspr. Vorsitzender] und Oberhofprediger Aug. Friedrich Wilhelm Sack, geb. 1703, gest. in Berlin 1786; 2) Friedrich Ernst Sack, Prediger zu Hecklingen [auch Sachsen-Anhalt] im Bernburgschen, geb. 1676, gest. 1763; Vater des Stifters selbst. Die näheren im Testament des bennanten Angehörigen des Stifters sind folgende. Seine Geschwister:: Friedrich Leberecht, Prediger zu Pasewalk [Falls richtig gelesen, nahe Anklam] (vor Anfertigung des Testaments gestorben); Karl August, Kriminalrat zu Kleve [zwischen Duisburg und Eindhofen]; Friedrich Eilhelm, Hof- und Kriminalrat zu Breslau; Johann Adolf, Kanzleidirektor zu Glogau; Christian, Kaufmann zu Lübeck (gest.); Philip Wilhelm, Hofrat; Henriette Elonore verw. Einecke; Charlotte Dorothee verw. Schmid; Sophie Friederike. Sodann: seine Pflegetochter Luise Ernestine, verehelichte Hofrätin Cramer. Das Testament des Verstorbenen ist vom 18. November 1789; [Juli ausbruch der Kämpfe. Franz. Revolution. gibt es einen Zusammenhang?] die nach und nach hinzugefügten Kodizille [Nachtrag zu einem Testament] gehen bis zum 4. Oktober 1791. Die eigentliche Familienstiftung ist nur in der dritten Abteilung dieses Testaments enthalten. Damit man jedoch den ehrwürdigen Biedermann vollständiger kennen lerne, wollen wir den Inhalt des ganzen charakteristischen Denkmals seiner wohltätigen Gesinnung kurz im Auszuge ?herlesen?.

 

 

 

I. Ernennung der Erbschaftskurators, und Desjenigen welcher die Inventur aufnehmen soll, mit Honorar. Aktiv- und Passivschulden, Zu den letzteren wird ein Kapital von 800 Talern gerechnet, welches der Kirche zu ?Rückbestimmt? ist