Sack/Schul(t)ze,Jösting

A l t e i n t e r e s s a n t e N a c h r i c h t e n ü b e r d i e F a m i l i e n

 

J Ö S T I N G , S A C K und S C H U L ( T )Z E

 

von Universitätsprofessor Dr. Hugo Rothert (22/184)

zur Abschrift überlassen

von seinem Sohn Major a.D. Paul Rothert , Münster /Westf

 

 

 

Philipp Wilhelm Sack , Hofrat und Generalpächter des Amtes Hausberge.

 

Er ist Gründer unseres Zweiges und Vater unserer Urahne Philippine Antoinette Schultze, geb. Sack.

 

 

 

 

 

 

 

Philipp Wilhelm Sack ist geboren am 22.2.1734 als Sohn des Pfarrers Ernst Sack und seiner Ehefrau Dorothea geb. Lukanus zu Hecklingen. Er trat als Offizier-Aspirant beim Kürassier-Regiment von Rochow ein und machte unter Seydlitz mehrere Schlachten

des 7 jährigen Krieges als Leutnant mit. Er zeichnete sich durch Kühnheit und Mut aus. Einst von Kosaken gefangen genommen und mit dem Zopf am Sattel des Feindes befestigt und fortgeschleppt , rettete er sich durch List und schwamm in Uniform mit Küraß durch die Oder zu den Seinen zurück. Ob er durch Verwundung für den weiteren Kriegsdienst untauglich geworden,oder weshalb sonst er seine Stellung aufgegeben hat, ist nirgends erwähnt. Als „dimittirter Leutnant“ arbeitete er 1758 in der Stellung eines „Geheimbden Regierungssekretarius“ zu Breslau und weilt in folgenden Jahre auf dem Gute seines Bruders Simon, um sich in der Landwirtschaft auszubilden. Er kam dann als „Geheimbder Ober-Amtsregierungssekretarius „ nach Kleve, wo er auf einem Gute

Rindern bei Kleve wohnte. Seine Frau Ottilie geb. Baumann holte er sich aus einem Kloster bei Kleve, wo sie erzogen war, da ihre Mutter nach ihrer Geburt starb. 1778 finden wir ihn als Hofrat bei der Regierung in Minden und später als Generalpächter des königlichen Amtes Hausberge bei Minden. Auf dem Gute Rothenhof bei Hausberge wohnend war er ein ausgezeichneter und weit und breit berühmter Landwirt. Seine Eleven bildete er mit Gewissenhaftigkeit und Strenge und originell aus. Er hielt darauf , dass der Neu-eingetretene bei Inspektionsgängen in die Fußstapfen seines Chefs trat.

 

Er fuhr nie anders als vierspännig. In hohem Alter kaufte er das Schloß zu Hausberge, in dessen Gartenanlagen sein und seiner Frau Denkmal noch vorhanden ist. Er starb am 22. Dezember 1813. Seine Kinder waren unter dem Namen „die Rothenhöfer“ weit bekannt. Sie waren eine fröhliche Kinderschar, 12 an der Zahl, die in Scherz und Mut und Fröhlichkeit heranwuchs. Manch lustige Streiche werden aus ihrer Kindheit erzählt.Sie hatten eine große Vorliebe, nach Kinderart , für das Obst, das im Garten reichlich

heranwuchs. Aber die liebe Mutter hatte darüber andere Gedanken als die Kinderschar. Ihre Verbote halfen nicht dauernd und der Übeltäter war nicht einmal herauszukriegen. Da streute sie dichten Sand auf die Wege um an den Fußspuren den Übeltäter zu erkennen . Aber die Kinder waren noch schlauer als die Mutter. Sie zogen die Schuhe der Mutter zu ihren Besuchen im Obstgarten an. Als nun das mütterliche Auge die neuen Fußspuren entdeckte, da wiesen sie sämtlich nur ihre eigenen Füße.

 

Wohl mit den langen Kriegsjahren , die Philipp Wilhelm im Dienste seines Königs mitmachte, waren seine Sitten zeitweilig recht locker geworden. Doch der in seinem Elternhause, dem Pfarrhause zu Hecklingen gelegte Grund hielt stand. Bald hatte er sich

wieder auf sich selbst besonnen, wir sehen ihn wieder auf besseren Wegen, wie aus einem eigenhändig geschriebenen Büchlein zu entnehmen ist.

 

 

 

 

 

 

Abschrift aus dem eigenhändig geführten Büchlein

 

„Geburt meiner Kinder und Kindeskinder“

 

 

von Philipp Wilhelm Sack

 

 

Königl.Preuß. Hofrath und Generalpächter des königl. Amtes Hausberge

 

im Fürstenthum Minden.

 

 

 

Anno 1775 den 10. März hat mir Maria Jakobs zu Emmerich im Herzothum Kleve, eine Menonistin, eine Tochter gebohren, welche ich, nachdem die Mutter ….. mit Todte abgegangen, zu mir genommen, und durch den Herrn Prediger Baumann zu Holzhausen

den........ hierselbst auf dem königlichen Amtsvorwerke Rotenho, durch das Sakrament der heiligen Taufe in die Gemeinschaft unseres hochgelobten Erlösers Jesu Christi einverleiben lassen, wobei sie die Namen

 

 

Philippina Antoinetta

 

erhalten hat. Die Patenstellen habe ich nebst meiner lieben Frau, geb. Ottilie Baumann, vertreten. Diese meine liebe Tochter haben seine Königl. Mjestät von Preussen, Unser Allergnädigster Herr, auf mein aller unterthänigstes Gesuch per Legitimations Patent vom

16. April 1787 legitimiert. Gott der Allmächtige wolle diesem Kinde Gnade und Barmherzigkeit wiederfahren lassen und sie durch seinen heiligen und guten Geist regiern und leiten, in allen Tugenden und Rechtschaffenheit um seines lieben Sohnes, unseres

Herrn und Heilands, Jesu Christi willen. Amen.

 

 

 

Rothenhof, den 30. März 1795 Philipp Wilhelm Sack

 

Hofrath und General-Pächter des königl.Preuß.Amtes Hausberge im Fürstenthum Minden.

 

 

Später darunter geschrieben:

 

Verheiratet den 17. Juli 1994 an den Gohgrafen und General Pächter der Freiherrl. von Klenkerschen Güter bei Hannover F.A. Schultze, verwitwet den 24. Dezember 1798.

 

Hinten im Büchlein sind noch kleinere Blätter eingeheftet. Da steht auf Seite 1:

 

 

Meine älteste Tochter Philippina Antoinette, gebohren den 10. Mertz 1775 ist verheiratet mit dem Herrn Gohgrafen und Generalpächter der Freyherrl. Von Klenkerschen Güter zu Lnagreder bei Hannover, Herrn Ernst Johann Schultze.

 

Aus dieser Ehe sind geboren:

 

eine Tochter Ernestine, geb. d. 15. April 1795

 

ein Sohn Eduard Wilhelm, geb. d. 5. Oktober 1796

 

Schultze ist gestorben d. 24. Dez. 1798

 

 

 

 

 

Philippine Antoinette Sack verehelichte Schultze

 

 

Sie wurde am 10. März 1775 zu Emmerich geboren (über ihre Geburt und Jugend s. Bei hrem Vater Philipp Wilhelm Sack). Sie heiratete 19 -jährig Ernst Johann Konrad Schultze, Generalpächter der Feriherrl. Von Lenkerschen Güter zu Langreder bei Hannover. Diese „liebe“ Tochter war unsere Ahnfrau Philippine.Wenn der leibliche Vater sich vor Gott und Menschen zu seinem Kinde bekannte, wenn dessen Ehefrau die Patenschaft übernimmt, wenn der König es legitimiert und wenn wir wissen, daß der himmlische Vater es wegen seiner Geburt nicht verwirft, so haben auch wir keine Veranlassung, uns der Ahnfrau zu schämen.

 

Nachforschungen nach der leiblichen Mutter Jakobs sind erfolglos geblieben. Alle Kirchenämter Emmerichs sind von Frau Diekmann persönlich besucht. Die größere Gemeinde soll um 1765 – 1775 der Einladung Katharinas der II. an die Wolga gefolgt sein

und was dort nicht bleiben mochte, soll nach Kanada weitergewandert sein.

 

Sie schenkte ihrem Gatten 2 Kinder:

 

Ernestine, geb. 15.4.1795 und Eduard Wilhelm geb. 5.10.1796

 

Als ihr Gatte am Weihnachtstage 1978 gestorben war, kehrte Philippine Antoinette mit ihren Kindern wieder ins Elternhaus nach Hausberge zurück. Ihr Aufenthalt dort wurde häufig unterbrochen durch Reisen zu ihrer Schwester die mit dem Hauptmann v. Roeder

auf Marienmünster verheiratet war. Dort lernte ihre Tochter Ernestine den Justizkommisar Jösting aus Höxter kennen und lieben. 15 -jährig heiratete sie ihn. Mit der Tochter nahm Jösting auch die Schwiegermutter zu sich. Treulich zog sie mit ihm und ihrer geliebten Tochter. Sie war die eigentliche Erzieherin ihrer zahlreichen Enkelkinder. Begeistert für die deutsche Literatur konnte sie so in das Vorlesen versinken, daß sie gar nicht merkte, wie ihre Enkelinnen, die wohl weniger Geschmack daran fanden, sich leise davonschlichen, bis sie, die Augen aufhebend, zu ihrem Erstauen merkte, daß sie ganz allein war. Sie war eine fromme Frau, die die ersten Eindrücke aufrichtiger Frömmigkeit den Herzen ihrer Enkelinnen gab.

 

In ihrer ganzen Art läßt die kleine Selbstbiographie ihres Sohnes, des Pastors Eduard Schultze zu Mühlheim an der Ruhr hineinsehen, die unter dem Titel „ Vor 50 Jahren“ in Mühleim an der Ruhr 1877 erscheinen ist, Immer war dem Knaben der mütterliche Einfluss lebendig. Sie leitete ihn zu den Grundwahrheiten des Christentums, die ihr selbst groß und heilig waren. Unvergeßlich war dem Knaben, wenn er seine Mutter zur Feier des heiligen Abendmahls von Hausberge in die reformierte Kirche nach Minden begleiten durfte. Vom Tisch des Herrn in ihrem Kirchenstuihl zurückgehend, dankte sie knieend für die Wohltat, die sie empfangen und liß ihren Sohn leise sprechen: Danket dem HERRN, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.

 

Nach dem Tode ihres Schiegersohnes zog sie zu ihrer Enkelin , der Frau Pastor Berta Wegener nach Sülplingen bei Neuhaldensleben. Über ihren Tod gibt es eine Notiz aus der Familienchronik von August Rothert Kunde :

 

 

Am Dienstag , dem 8. März 1853, morgens 4 Uhr, ist die gute, fromme Großmutter Klothildens (Grömchen) Amtmännin Schultze in Sülpingen bei Neuhaldensleben an der Brustwassersucht gestorben. Sie hatte noch abends 10 Uhr am Montag ihre schwerkranke

Tochter Ernestine Jösting, geb. Schultze gepflegt, war selbst mit eigener Hilfe ins Bett gegangen.

 

 

Schulze - Schulz - Schultze

 

Indem Ertzischen (Aerzen, Kreis Hameln) Geschlechtsregister findet sich ein Vermerk, wonach

 

1) Heinrich Ludwig Schulze

 

Licenteinehmer in Aerzen, geboren im Februar 1721 , am 10.8.1745 in der Schloßkirche zu Hannover mit Sophie Brassen getraut ist. Sie war die 1707 geborene Tochter der Eheleute Amtsschreiber Georg Ludwig Brassen zu Lutter im Braunschweigischen und der Dorothea Sophie Bödecker. Sie starb im November 1763. Er starb am 25 Oktober 1754 zu Aerzen. Seine Witwe zog darauf nach Hannover. Aus der Ehe stammen 4 Kinder, von denen 2 im jugendlichen Alter 1762 und 1775 starben.

 

 

2) Ernst Johann Konrad Schulze

 

wurde am 11. Mai 1750 zu Hannover geboren, er starb am 24. Dezember 1798 zu Langreder bei Hannover. Als Jüngling findet er nacheinander bei dem Major und Landdrosten von Lenthe zu Aerzen und dem Kammerrat von Hake zu Hannover als

Kämmerer und Privatsekretär eine Anstellung. Am 7. Mai 1778 vermählte er sich in der Schloßkirche zu Hannover mit Ilse Dorothea Henriette Droste. Aus der Ehe stammen Konrad August, geb. 17.4.1779 und noch zwei weitere Söhne. Ilse Droste starb am 28.

September 1789.

 

Er vermählte sich dann mit Ernestine Hedemann, die am 23. April 1794 starb. Am 17. Juli 1794 heiratete er auf dem Rothenhof bei Hausberge an der Weser die 19. jährige Philippine Antoinette Sack. Aus diese dritten Ehe stammen 2 Kinder: Ernestine und

Eduard. Inzwischen war Ernst Johann Konrad Gohgraf und Generalpächter der Frhr. v. Klenkerschen Güter zu Langreder bei Hannover geworden. (Seit dem frühen Mittelalter war für den Vorsitzenden der Goh – oder Gaugerichts der Titel: Gohgraf. Er hatte die niedere Gerichtsbarkeit.) Ernst Johann Konrad muss trotz des Schweren, das er erlebte, ein lebenslustiger Mann gewesen sein. Von ihm erzählt man als sein Sprüchlein:

 

Trink ich, so hink ich

Trink ich nicht, so hink ich doch

Drum will ich lieber trinken und hinken

Als nicht trinken und doch hinken.

 

3a) Ernestine Schulze

 

wurde geboren am 15. April 1795 zu Langreder bei Hannover und getauft am 10. Mai 1795. Paten waren Frau Hofrätin Sack zu Rothenhof und Frau Amtsverwalterin Binste (undeutlich geschrieben) bei Rinteln. 15 Jahre alt an ihrem Geburtstage, 15. April 1810

heiratete sie den damaligen Justizcommisar Friedrich Christian Jösting zu Höxter. (siehe Jösting 3). Nach dem Tode ihres Gatten lebte sie zunächst bei einem ihrer zahlreichen Kinder. Im Sommer 1854 kam sie zu ihrem Schwiegersohn Rothert nach Pr. Oldendorf zu Besuch auf 6 Wochen . Ihr Gemüts- und körperlicher Zustand besserte sich dort zusehends. Deshalb zog sie ganz nach Pr. Oldendorf und zwar zu ihrem dort wohnenden anderen Schwiegersohn Dr. med. Lücker. Bei ihm starb sie am 10. Oktober 1868.

 

 

 

3b) Eduard Wilhelm Schulze

 

wurde am 5. Oktober 1796 geboren.Er starb am 17. November 1860 als Pastor zu Mühlheim an der Ruhr. - Am 23. November 1820 vermählte er sich mit Margarethe Elisabeth Voerster. Ihre Tochter Lydia Maria Gertrud Philippine Friederike, geb. 15. September 1837 gestorben 20. Dezember 1866, war vermählt am 4. November 1856 mit dem Superintendenten Georg Heinrich Wilhelm Bick zu Solingen

 

Edmund Wilhelm besuchte in den letzten Schuljahren das Gymnasium zu Detmold, wo er die Aufmerksamkeit der Fürstin Pauline erregte.

 

 

 

 

 

Pauline Christine Wilhelmine zur Lippe (geborene Prinzessin von Anhalt-Bernburg, seit 1796 Fürstin zur Lippe; * 23. Februar 1769 in Ballenstedt; † 29. Dezember 1820 in Detmold) war von 1802 bis 1820 Regentin des deutschen Fürstentums Lippe und gilt dort als eine der bedeutendsten Herrscherinnen von Lippe. Sie hob am 1. Januar 1809 durch fürstliche Verordnung die bis dahin bestehende Leibeigenschaft der Bauern auf, bewahrte die Selbstständigkeit Lippes und bemühte sich um eine Verfassung, mit der die ständische Ordnung aufgebrochen wurde. Im kollektiven geschichtlichen Bewusstsein der lippischen Bevölkerung rangiert jedoch ihr soziales Engagement an erster Stelle.[1] Sie gründete die erste Kinderbewahranstalt in Deutschland, eine Erwerbsschule für verwahrloste Kinder, ein freiwilliges Arbeitshaus für erwachsene Almosenempfänger und eine Pflegeanstalt mit Krankenstube.

 

 

 

 

 

 

 

Sie zog ihn um seines tüchtigen, fein gebildeten Wesens willen als Gesellschafter ihrer prinzlichen Söhne ins fürstliche Schloss, wo er in Herzensfreundschaft mit den Prinzen heranwuchs, Er nahm an ihren Spielen teil, wie an ihren Arbeiten. Eines Tages wurden lebende Bilder dargestellt, Sprichwörter aufgeführt. Es galt das Wort darzustellen :

 

„Das dicke Ende kommt nach"

 

Vorne an standen die kleinen Prinzen, dann die größeren Prinzen, am Ende kam die Fürstin Pauline selbst.

Als er einst von Detmold in die Ferien kam, nach Marienmünster, das dem Schwager seiner Mutter , dem Hauptmann v. Roeder gehörte, erklärte er den Verwandten, er wolle Theologie studieren. Ein allgemeines Erstaunen antwortete dieser Eröffnung. Denn daran hatte keiner gedacht. Es wird ein förmlicher Familienrat gehalten. Die Tante, Schwester, Karoline Luise von Roeder gebietet dem Jüngling sich an das Ende des großen Saales zu begeben und eine Ballade von Schiller zu deklamieren. Dann erklärt sie: „ Die Hauptsache ist zwar der innere Beruf, dass einer Geistlicher werden will, Gott fürchtet und Jesu lieb hat und ein Herz im Leibe trägt, das warm für seine Mitmenschen schlägt. Aber er muss auch eine klare wohltönende Stimme haben und eine guten Vortrag , wie von dem Herrn geschrieben steht, dass er holdselig geredet hätte, was nicht allein auf den Inhalt sondern auch auf den Ton seiner Stimme geht. Eine gute Stimme, einen guten Vortrag scheint der Herr Dir gegeben zu haben, er gebe Dir auch das Andere. Und so erteile ich Dir meine Zustimmung zu dem Beschluss, der aus der rechten Quelle möge entsprungen sein.“ Die

ganze Versammlung stimmte ein, alle küssten den Jüngling und wünschten ihm Gottes Segen. Der Oheim aber, der ehemalige Hauptmann, ein zweiter Kornelius, legte die Hand auf seine Schulter und rief: „ Nun gehe hinin Gottes Namen, Junge , und werde ein Pastor und Gottes Rechte geleite Dich und sei mit Dir. Aber wie Friedrich Wilhelm I zu dem ersten Prediger der Dreifaltigkeitskirche sagte, so sage ich auch zu Dir : Predige Jesum Christum, den Gekreuzigten, alles andere sind Narrenpossen.“

 

 

Von Marienmünster aus hat er dann später zum ersten Male und zwar in dem Lippischen Städtchen Schwalenberg gepredigt. Er selbst beschreibt diese erste große Tat so: „ Es war ein schöner Maimorgen , die Bäume standen in voller Blüte , die Lerchen erhoben sich jubilierend in die blaue Luft, die Nachtigallen schlugen, der Tau lag in Millionen Perlen auf den Gräsern und Du (Mutter) und ich , der Ohm und die Tante , meine Schwester Ernestine und ihr Mann (Jösting) fuhren in einem großen, offenen Familienwagen, mit vier stattlichen Schimmeln bespannt, durch Felder und Wälder, Fluren und Auen gen Schwalenberg, und ich predigte dort vor der zahlreich versammelten Gemeinde über den Text : Hohelied 2, 11- 13 ' Der Winter ist vergangen, der Regen ist weg und dahin, die Blumen sind hervorgekommen und die Turteltaube lässt sich hören in unsrem Lande . Der

Feigenbaum hat Knoten gewonnen, die Weinstöcke Augen und geben ihren Geruch. Nach der Predigt schloß die Mutter den Sohn in ihre Arme in stummer Rührung und sagte dann : „ Mein Sohn, Du kannst gar nicht nachfühlen , was eine Mutter fühlt, wenn sie des Sohnes erste Predigt hört und ihn zum ersten Male auf der Kanzel sieht.“Der Ohm, der Hauptmann,rief recht soldatisch : „Du hast Dich brav geschlagen!“ Die Tante meinte, die Stimme sei zwar hell und wohltönend , aber noch zu schwach, das werde sich

mit den Jahren bessern. Der Schwager Jösting aber sagte ihm leise ins Ohr : „ Gut aber zu blumenreich, nun das wird mit zunehmenden Alter schon nachlassen. Das Gras welkt und die Blume fällt ab.“

 

So war die Probe bestanden, ihr folgte schon bald die Wahl des erst 23 jährigen an die große reformierte Gemeinde zu Mühlheim an der Ruhr, wo er am 17. November 1860 starb.

 

 

J Ö S T I N G

 

1. Johann Henrich Jösting

 

 

 

 

ist um 1706 geboren und am 11. Februar 1778 zu Bad Essen gestorben. Die Eintragung im Kirchenbuch lautet: „ Der alte Henrich Jösting in Essen von Pastors Balken Tod gefallen – 72 Jahre alt.“ Er war vemählt am 9. Mai 1729 zu Bad Essen mit Catharina Margaretha Meyer in Essen. Diese starb am 16. Februar 1767, 64 Jahre alt, 8 Monate , 2 Wochen, 5 Tage alt zu Bad Essen. Sie muss also am 18. Mai 1702 geboren sein. Sie hatte 2 Söhne:

 

Johann Henrich, geb. 28. Mai 1730 und Johann Henrich Ferdinand.

 

 

2. Johann Henrich Ferdinand Jösting

 

wurde getauft Domine XV post festum Trinitatis 1737 zu Bad Essen. Er starb am 3. Oktober 1812 zu Venne im Alter von 74 Jahren - „48 Jahre hier gestandener Schullehrer, gestorben an der Schwindsucht, begraben den 6. Oktober morgens in der Stille.“

 

 

Er war vermählt am 11. April 1760 zu Bad Essen mit Clara Dorothea Buck aus Venne, wo sie am 28. März 1732 als Tochter der Eheleute Johann Menke Buck und dessen Frau Christine geb. Neddermann geboren und getauft war. Sie starb am 9. Oktober 1791, 59, Jahre 6 Monate alt zu Venne.

 

 

Die Venner Schulchronik berichtet über über Johann Henrich wie folgt:

 

„1787 ist die hiesige Kantorwohnung gebaut worden. Der erste Lehrer war Kantor Jösting. Seine Einnahme als Lehrer bestand in dem Einschreibegeld – pro Kind 3 mgr. - und dem Schulgeld. Dieses war äußerst gering bemessen, zudem bezahlte man nur die Zeit , welche das Kind wirklich die Schule besuchte. 1819 war hier Küster Joh. Fr. Harmeyer zweiter Lehrer . Als Kantoren haben seitdem eingangs erwähnter Kantor Jösting uns ein Sohn Ferdinand Jösting (muss wohl Anton Diedrich Jösting heißen !) hier fungiert.“

 

Seine Frau Clara Dorothea , geb. Buck, gehörte zur Familie Sanders – Rouwe, und durch sie haben die Jöstings und deren Nachkommen Anspruch auf die Stipendien der Sanders- Rouwe – Stiftung.

 

Sie hatten mehrere Kinder:

 

Anton Diedrich , Schullehrer zu Venne, der 6 Kinder hinterließ. Einer war Pastor zu Brockhausen (Kirche zu Barckhausen?)

 

Friedrich Arnold , Torschreiber und Wegegeldeinehmer am Hegertor zu Osnabrück

 

Die Zwillinge Friedrich Wilhelm (wohl früh gestorben) und

 

Friedrich Christian (siehe unten)

 

Friederike Margarethe vermählt mit Schwegge zu Venne

 

Klara Christine, vermählt mit a) Ahlhorn zu Venne

b) Schröder zu Venne

 

 

 

 

3. Friedrich Christian Jösting

 

 

ist geboren und getauft am 18. September zu Venne. Pate war Johann Friedrich Düsterberg 1772. Er hatte einen Zwillingsbruder, der offenbar früh starb. Er studierte zuerst Theologie, hat auch einmal in Lemgo zu St. Nicolai gepredigt. Auch er hat sich einst

es war wohl 1802 – um die Adjunktenstelle bei dem Schwiegervater seines VettersHermann Henrich Rothert, dem Pastor Schwager zu Jöllenbeck, beworben und in Jöllenbeck gepredigt. Schwager bemerkt dazu (s. Julie und ihr Haus, Seite 160). Ich möchte ihm die Predigt nicht abschlagen, er ist ein guter Gesellschafter.“

 

 

 

Danach hat er noch Jura studiert und war Justizkommissar und Notar in Höxter geworden. Von hier aus hat er wohl seine zukünftige Frau in Marienmünster, wo eine Schwester ihrer Mutter an den Hauptmann v. Roeder, den Besitzer des alten Klosters Marienmünster

verheiratet war, kennengelernt.Diese Kloster war aufgehoben. Der Käufer hatte die Verpflichtung übernommen, die Mönche bis an ihr Ende zu pflegen. Zuletzt waren nur noch der Prior und der Bruder Kellermeister vorhanden, deren Lieblingsaufenhalt hinter

der Flasche war. Des Kellermeisters Wort ist unvergessen : „Pater Prior, sup ute !“Die Trauung mit Ernestine Schulz fand im Marienmünster am 15. April 1810, dem 15. Geburtstage der Braut statt. Durch diese Verbindung erwarb Friedrich Christian die

Zugehörigkeit zur Familie Sack und deren Stiftung für sich und seine Nachkommen.Von Höxter aus ging eines Tages das junge Paar nach Kassel, wo Jerome residierte.

 

 

 

 

 

 

 

Jérôme Bonaparte (* 15. November 1784 in Ajaccio; † 24. Juni 1860 im Schloss Vilgénis bei Paris), ursprünglich Girolamo Buonaparte, war der jüngste Bruder Napoléon Bonapartes. Von 1807 bis 1813 war er König des Königreiches Westphalen, sein offizieller Königsname dort war Jérôme Napoleon (JN) bzw. Hieronymus Napoleon (HN).

 

 

 

 

Es war strenger Befehl, dass alle dem König Begegnenden im Wagen aufstehen mussten. Das junge Frauchen fuhr mit ihrer Freundin Charlotte Endsiek – der späteren Tante Lottchen Sack - spazieren. Der König begegnete ihnen. Die beiden patriotischen,

bildhübschen Dämchen blieben ruhig sitzen. Da grüßte Jerome sie zuerst und erwiderten sie den Gruß. Als sie ihrer Heldentat später in Minden erzählten , sagte der aus dem Osten stammende Onkel Geh.Reg.Rat. Ganzer: „ Ja, ja, wenn Ihr nicht so hübsche Kreten

wäret!“

 

In Höxter verdiente Jösting viel Geld. Aber das königl.Westfälische Getriebe widerte ihn an. Er ging mit Frau und Schwiegermutter, die bei ihm lebte, nach Berlin, dort eine Anstellung zu finden. Dort lebte er ein Jahr oder länger. Die Verwandtschaft mit der

Familie Sack, wie auch die eigene Bedeutung, öffneten ihm dort alle Häuser.

 

 

 

 

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (* 21. November 1768 in Breslau, Schlesien; † 12. Februar 1834 in Berlin) war protestantischer Theologe, Altphilologe, Philosoph, Publizist, Staatstheoretiker, Kirchenpolitiker und Pädagoge. In mehreren dieser Wirkfelder wird er zu den wichtigsten Autoren seiner Zeit, in einigen auch zu den Klassikern der Disziplin überhaupt gerechnet, ähnliches gilt etwa für die Soziologie[1]. Er übersetzte die Werke Platons ins Deutsche und gilt als Begründer der modernen Hermeneutik.

 

 

 

 

Intim verkehrte er mit Schleiermacher, der ihm geheime Papiere anvertraute, mit dem späteren Minister Eichhorn u.a. - Schön wusste später Ernestine ihren Enkelkindern von den Teeabenden bei Schleiermacher zu erzählen, der gern Rätsel aufgab. Sie habe sie immer gleich geraten, sich aber wohl gehütet, die Lösung gleich zu verraten, da sie gemerkt habe, dass ihn die alsbaldige Lösung seiner Rätsel empfindlich gestört habe.Nach Wiederaufrichtung der Preußischen Herrschaft in den westlichen Landesstellen kam

Friedrich Christian 1818 als Richter nach Paderborn, aber schon im April 1819 als Kreisrichter nach Düsseldorf. Am 4. Mai 1820 wurde er zum Landgerichtsrat in Kleve ernannt, wo er am 5. November 1840 starb.

 

In alten Schriftstücken über bezw. von ihm, soll sein Geburtsjahr immer um einige Jahre verlegt sein. Als Grund vermutet man, dass er nicht älter als seine Schwiegermutter sein wollte.

 

 

Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor:

 

 

Klara, vermählt mit dem Sanitätsrat Zernial

 

Cäcilie, vermählt mit dem Justizrat Grubitz

 

Erwin, Landgerichtsrat, vermählt mit Valesca Auguste Sack

 

Hugo, Sanitätsrat, vermählt mit Aline d'Hauterive

 

Willibald, Hauptmann, vermählt mit Ida Schelle

 

Walter, Offizier in holländischen Diensten, verschollen

 

Werner, Kreisphysikus, vermählt mit Auguste Möller

 

Chlothilde, vermählt mit Pastor August Rothert

 

Bertha, vermählt mit Pastor Wegener

 

Paula, vermählt mit Sanitätsrat Lücker

 

Richard, als Matrose verschollen.