Schade

Eine alte Vogtfamilie

 

(von Dr. G. Heuermann)

 

Die alten Vögte, welche früher die Gemeinden verwalteten, waren in ihrem Bezirke mächtige, einflussreiche Beamte, die nur dem Drosten unterstanden. Nicht selten folgte der Sohn dem Vater, sodass das Amt über Generationen in der Familie blieb. So herrschte in der Gemeinde Cappeln von 1639 bis 1814 ununterbrochen die Familie Schade. Sie stellte nicht bloß energische Vogte, sondern aus ihr gingen auch andere verdiente Männer hervor, sodass es nicht ohne Reiz ist, ihre Stammtafeln zu erforschen und sie für die Nachwelt fest zu halten.

 

Der erste Vogt der Familie Schade war Otto Schade, nach dem hopener Archiv ( cit. Wilich IVBd. S.169), ge4boren 1617, Mittwoch vor Weihnachten, also am 19. Dezember.

 

Seine Eltern sind Johann Heinrich Schade, Herr zu Ihorst, Hange und Buddenburg (gest. in Ihorst 1635) und Anna Kurwinkel ( nach Nieberdings hinterlassenen Schriften gest. 1658 9. febr. in Schlotmanns Hause in Tenstedt).

 

Seine Großeltern Otto Schade, Drost zu Vechta, Herr zu Ihorst und Petronella Budde, welche Ihrem Gatten das Gut Hange und die Burgmannswohnung Buddenburg in Vechta zubrachte.

 

Seine Urgroßeltern Heinrich Schade , Gründer des Gutes Ihorst und Anna Stael von Sutthausen. Ihm wurde am 14. Februar 1540 Amt und Schloss Wildeshausen „to twen lyen“ verliehen (Oldb. Urkdb. V S 433 434). Die Pergament-Urkunde über den Heimfall des Schlosses und Amtes Wildeshausen nach dem Tode seines Sohnes Wilhelm , der ihm als Drost folgte, und die Übertragung an den Drosten von Vechta, Johann Grothaus, im Jahre 1638, d.3 Martil ist noch im Besitze der Familie Schade-Bokel (Beide Siegel ab).

 

Seine Ururgroßeltern sind Otto Schade aus dem Emslande und Fredike von Dinklage, Erbfräulein auf Haus Bakum. (Vergleich Nieberding Gesch. d. Niederstifts Münster und Niemann, das Oldenb. Münsterland).

 

Otto Schade, der erste Vogt der Familie in Cappeln, war verheiratet mit Catharina Hoynges. Er erhielt die Vogtei 1639 von Drosten Grothaus. (Pagenstert, Kammergüter, B.164).

Dass der junge Vogt seine ganze Kraft für die Gemeinde eingesetzt hat in den schlimmen Zeiten des dreißigjährigen Krieges, beweist eine Urkunde, ausgestellt am „28. July 1652 von Johann Koegelke, Münsterischer Richter und Gograf Auf’m Desumb“ in welcher „ihm und seiner Hausfrauen Catharinen, ihren Erben und Anerben“, Kirchdorf und die Bauernschaft Cappeln, „wegen seiner dem Kirchspell wie auch Kirchdorfern bey Tag und Nacht unverdrossen ......bezeichten.....getrewen Diensten...einen Platz zur Erbstellewohnung und Garten , nebst dazu nothigen Schullenmatt, Viebedrift und sonsten aller Gerechtigkeit ... für ewigen Zeiten“ schenkt. Rühmend wird noch erwähnt, dass er in den Kriegsjahren bei allen Beschwerden das Seinige mit eingesetzt hat, Einquartierungen aufgenommen, in Geldnot und so bei Kriegscontributionen durch seinen Kredit Geld geschafft und so die verderbliche Exekution vermieden habe und manches andere. (Pergamenturkunde. Im Besitze der Familie Schade-Bokel, Kapselsiegel der Gografen verletzt, 1 Siegel ab). Auf den geschenkten Grundstück hat der Vogt, wie aus dem Erbvertrag vom 17. Juni 1?36 hervorgeht, ein Haus gebaut und dort vielleicht kurze Zeit gewohnt. Schon bald kaufte er aber einen Hof in Bokel. Die Kaufurkunde lautet im Auszug:

 

„ 4. August. Neuen Stiels 1655, extrahiert 4. Juni 1658. Vor Johan Franz Kogelcke, Münsterischer Beawter und Gograff ufm Desumb verkauft der „Hochwollgeboren und gestrengen Johann vonn Dorgeter Erbgesessen zu Brettbergennan von Ernsthaften und fürnehemen Otto Schaden Vogdten zur Cappellenn und Catharina Hoynks Eheleuten, Ihren Erben und Nachkohmelingen“ sein „frei hergebrachtes allodial zur Bockel gelegenes Dieterichechen Hermnanns Erbe genannt, gesamt allen und jeden pertinentien wie dieselben Namen haben mogen mitt alt und neuen recht und Gerechtigkeiten zur heid und Weide tam active quam passive wie die kundbahrliuchen begriffen, mit denen davon Jahrlichs gehenden Pachten , Dienstzen, Freikaufen, Szterbfallen Einfahrten auch anderen schuldigen und diesen erben inharirenden gefalln, nacj eigentumbs Recht und schuldikeiten... zu dem....beiderseits vereinbarten Kauffschilling und dabei verglichen Weinkauf insamt vor vierhiundert guter gangbare und Kaiserliche.Königlöich Reichs Schrottgemunztet volgebende SpecialRthlr.jeden rhllr. Zum zwo loett reines Silbers ....“ Johann von Dorgelock Eberhard molan mpp Notariuspublicus Caesareus und Gerichtsschreiber Subst. (Pergamentrollenim Besitz von Schade-Bokel). Kapselsiegel des Gografen gut erhalten von Doregeles Siegel ab). In der Kaufsumme ist also der Freikauf von allen Lasten enthalten. Des Diederichschen Hermanns Erbe war durch den Krieg ganz in Verfall geraten und ohne Gebäude. Im Jahre vor der Ausstellung der Kaufurkunde hat Schade bereits ein neues Wohnhaus auf den Hof gesetzt, welches noch heute steht, aber seit einigen Jahren als Viehhaus verwandt wird. In dem schön gearbeiteten Torbogen findet sich nämlich in Majuskeln die Inschrift:

 

Fidenten nescit deserusse deus

Anno 1645 18 Novembris

Otto Schade

Catharina Hoynges f.f. (fieri fecerunt)

Johann Heinrich war das vierte Kind von Otto und verstarb in der Nähe von Essen 1672 und war dort Vogt.

 

 

Ida Catharina Schade, geb. 10.02.1855, gest. 1930 verheiratet am 13. September 1877 mit Herman Bernhard Werner.“ Der frühe Tod ihres Mannes und der Verlust aller Kinder, von denen der Weltkrieg die vier letzten Söhne hinwegraffte, hat sie weder mutlos gemacht, noch ihre Schaffenskraft gebrochen. Mit fester Hand verwaltete sie bis an ihr Lebensende den Hof in Elften für ihre Enkel, eine echte Schade.

 

 

 

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little something about a long time ago in Vechta:

 

 

Geköpfte Galgenvögel

 

Der Chronik nacherzählt von Christian König

 

Man schrieb das Jahr 1591. Auf der alten Burg der Grafen von

Ravensberg in der damals zum Niederstift Münster gehörenden, heute

oldenburgischen Stadt Vechta saß der Drost Otto Schade und rang mit

sich um einen schweren Entschluß. Der spanisch-niederländische Krieg

warf seine Wogen in das friedliche Land. Hoch- und Niederstift Münster

und das Stift Osnabrück wurden von Soldateneinfällen und Raubzügen

beider Parteien heimgesucht. Fremde Söldner und einheimische Banditen

plünderten, mordeten und brannten. In der Gegend um Vechta taten sich

vor allen andern die Brüder Gramberg hervor. Im ganzen Land waren sie

als Galgenvögel und verwegene Straßenräuber berüchtigt. Wo ihr Name

fiel, da schlugen die Frauen ein Kreuz, und selbst über die gefurchte

Stirn der Männer, mochten sie auch die Faust in der Tasche ballen,

lief ein Schauer. Denn das wußte man: Wo einem der verbrecherischen

Brüder ein Leid geschah, da würden die drei anderen Grambergs

schreckliche Rache nehmen. Hilfeheischend sahen die schutzlosen Bauern

gen Vechta und erhofften von der Obrigkeit, daß sie der Landplage ein

Ende machte. Der Drost zu Vechta hatte Fußknechte ausgeschickt, die

Räuber zu fangen, und eben jetzt war es diesen gelungen, drei der

Brüder: Johann, Bernd und Kaspar, zu überwältigen. In Ketten lagen sie

im Burgverließ.

 

Der Drost hob den Kopf: Es hatte geklopft. Meister Hans Vogt,

Nachrichter zu Rheine, betrat den Raum und verneigte sich leicht. Die

Entscheidung dränge; Boten hätten Nachricht gebracht, daß die Mutter

der Grambergs gen Lingen geeilt sei, um vom spanischen Kommandanten

die gewaltsame Befreiung ihrer Söhne zu verlangen. Das war es, was der

Drost befürchtet, was ihn hatte zögern lassen. Die Grambergs dienten

im Heer der Spanier. Durfte man diesen, die schon seit langem die

starke Stadt Lingen besetzt hielten und die Bevölkerung

drangsalierten, einen Grund geben, auch mit Vechta Händel zu suchen?

Dennoch! Die Brüder Gramberg und besonders die beiden älteren, Johann

und Bernd, hatten den Tod zehnmal verdient. Es mußte ein Exempel

statuiert werden. Mit raschen Schritten ging Otto Schade zum Tisch,

tauchte den Federkiel ein und reichte das inhaltsschwere Pergament dem

Nachrichter. In der Morgenfrühe des 8. Juli 1591 wurden Johann und

Bernd Gramberg auf dem Richtplatz am Stoppelmarkt vor den Toren

Vechtas enthauptet. Ihre Köpfe spießte man auf Staken und stellte die

zur abschreckenden Warnung an der Straße nach Wildeshausen auf.

Genugtuung und Erleichterung erfüllte die Bevölkerung. Männer und

Frauen eilten vor das Tor, umtanzten die Häupter der verhaßten

Verbrecher und riefen: "Seht da, die Galgenvögel! Ihnen wurde der

gerechte Lohn."

 

Sie hatten zu früh frohlockt. Kaum war die Kunde von der Enthauptung

der Gramberg-Brüder nach Lingen gedrungen, da warf sich die Mutter

Gramberg dem Kommandanten zu Füßen und bestürmte ihn mit Bitten, die

ihr angetane Schmach und den Tod der Söhne, die so lange und treu

Seiner spanischen Majestät gedient hatten, an der Stadt Vechta und

ihren Bürgern, insbesondere an dem Drost Otto Schade zu rächen und

ihren jüngsten Sohn Kaspar aus dem Burgverlies zu befreien. Als der

Kommandant zögerte, packte die Frau Raserei. Sie zog ein Dolchmesser

und stieß es sich unter wilden Wehklagen in die Brust. Jetzt versprach

der eingeschüchterte Kommandant der Sterbenden, eine Strafexpedition

auszuschicken. Mit einem haßverzerrten befriedigten Lächeln auf den

Lippen schloß die fanatische Frau die Augen, wußte sie doch, daß bei

den stets beutelustigen spanischen Söldnern ihre Rache in den besten

Händen lag. 500 Mann zu Fuß und einige Reiter, wilde, verwegene

Gesellen, Söldner aus aller Herren Ländern brachen am Freitag nach

Laurentius von Lingen gen Vechta auf. Unterwegs plünderten sie

Badbergen, Dinklage und die Bauernschaften am Wege. Die gehetzten

Einwohner befiel großer Schrecken. Recht hin, Recht her, sie hätten

jetzt gern die Grambergschen Buben lebendig gemacht. In Vechta rüstete

man in aller Eile zum Widerstand und befestigte vor allem das auf dem

Wege liegende Münstertor. Ein verräterischer Bürger aber, Dirck von

Schüttorf, führte die Feinde zu dem schwach besetzten Bremertor. Da es

dunkelte, zündeten die feindlichen Horden, in deren Mitte sich auch

der vierte der Gramberg-Brüder, Balthasar, befand, Tepen

Kleinschnitkers Haus an. Im Lichte der Brandfackel wurde die

Torbesatzung niedergemacht. Die Söldner eilten zur Burg und befreiten

Kaspar Gramberg. Unter wildem Geschrei durchsuchten die Brüder dann

die ganze Stadt nach dem Drost Otto Schade, der aber noch rechtzeitig

hatte entweichen können. Dafür kühlten die Räuber ihr Mütchen an den

Bürgern. Kein Haus, kein Hof bleib verschont. Was nicht als Beute nach

Lingen geschickt wurde, wurde zerschalgen oder verbrannt. Am nächsten

Tage veranstalteten die Mordbrenner für die enthaupteten Banditen

Gramberg eine ebenso seltsame wie schaurige Totenfeier. Unter

verschiedenen Zeremonien wurden die Köpfe des Johann und Bernd von den

Pfählen genommen, reingewaschen und in weiße Tücher gelegt. In Richter

Westmayers Haus deckte man eine große Tafel mit Linnen, stellte die

Köpfe darauf und sechs Lichter daneben, die Tag und Nacht das

grauenhafte Bild beleuchteten. Schließlich wurden die Häupter der

Verbrecher "mit Ehrerbietung und Pracht", wie die Chronik vermeldet,

auf dem Kirchhof zu Vechta begraben.

 

Inzwischen war die Kunde von den Vorgängen an die Regierung in Münster

gelangt, die einen Trompeter schickte und die Horde auffordern ließ,

Vechta binnen drei Tagen zu räumen. Die Antwort lautete, daß man die

Stadt "behufs Königl. Majest. zu Hispanien mit Geschoß und gewaltiger

Hand eingenommen und nicht die Absicht hätte, selbige so bald wieder

zu verlassen". Der Haufen wurde vielmehr noch durch 300 Reiter

vergrößert. Als die Verproviantierung Schwierigkeiten machte,

plünderte man das Kloster "Hillige Rade" in der Grafschaft Hoya und

unternahm Raubzüge ins Emsland, in die Grafschaft Tecklenburg und in

die Gegend östlich von Osnabrück bis nach Minden hinauf. Die Chronik

berichtet von bösen Verwüstungen, von haarsträubenden Greueltaten, die

an Mensch und Vieh verübt wurden. Acht Wochen und drei Tage hielten

die räuberischen Banden Vechta besetzt. Dann zogen sie ab, begleitet

von dem heißen Wunsche des Chronisten: "Gott gebe, daß sie nimmer

wiederkommen!"