Franz A. Wieman Stiftung

Hochverehrte Gäste, liebe Kameraden!

 

Ein Jahr ist verflossen, seitdem die Mehrzahl von uns sich wie heute zusammenfand. Mein lieber Bruder, unser aller väterlicher Freund,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herr Franz Arnold Wieman,

 

 

hatte die Augen für immer geschlossen und wurde von uns zu Grabe geleitet.

Aber nicht nur seiner wollen wir heute gedenken, sondern zugleich auch seiner treuen Mitarbeiter, die ihr Leben dafür eingesetzt hatten, daß das Werk des Verstorbenen sowie alle die Arbeitsstätten wo deutsche Volksgenossen ihr Brot finden, weiter bestehen können.

A

1) Laßt uns kurz einen Blick werfen auf die Geschichte des Werkes, dem wir alle verbunden sind und des Gründers, der uns allen unsere heutige Lebensmöglichkeit gab.

Franz A. Wieman entstammte einer alten Osnabrücker Gerberfamilie in dieser wurden die alten überlieferten Traditionen des deutschen Handwerks hochgehalten.

Die Söhne mußten die schwierige Kunst der Gerberei in harter Arbeit von Grund auf erlernen. Nachdem Franz A. Wieman sich in der väterlichen Gerberei und als Hamburger Kaufmann die erforderlichen Vorkenntnisse erworben hatte, kam er nach Neumünster.

2) Im Jahre 1894 begann er hier die Lederfabrikation mit einem neuen Gerbverfahren, welches eine vollständige Umwälzung in der ganzen deutschen Lederindustrie hervorrufen sollte.

Das Werk wurde als kleine Fabrik gegründet. Dank der zielbewußten und sicheren Führung meines Bruders nahm sein Unternehmen einen überraschend schnellen Aufschwung. Schon nach wenigen Jahren gehörten die Lederwerke Wieman zu den führenden Unterlederfabriken Deutschlands. Bald wurden die Wieman Croupons von jedem Verarbeiter als Sonderklasse geschätzt. Dieser große Erfolg ist nicht nur dem rastlosen Fleiß, dem klaren Blick und dem richtigen Erkennen der jeweiligen Bedürfnisse der Wirtschaftslage des Gründers zu verdanken.....

 

 

3 ) .....sondern auch seinen treuen Mitarbeitern. Er war glücklich ( Wie er mir selbst schon in jenen Anfangsjahren sagte) daß er gerade hier in Holstein die Gefolgschaft finden konnte, welche in aufgewecktem, verständnisvollem Mitarbeitern den großen Erfolg ermöglichte. Deswegen war sein herz seinen Mitarbeitern besonders zugetan. Franz A. Wieman war sich sein leben durch bewußt, was er seinen Mitarbeitern verdankte. Es war nicht seine Art seine Dankbarkeit durch schöne Worte zu betonen, sondern seine wahrhaft soziale Dankbarkeit bekundete er durch die Tat. In der klaren Erkenntnis, daß seiner Gefolgschaft eine wirkliche Heimatverbundenheit geschaffen werden müsse, sowie aus dem Gefühl heraus, seinen Dank an die Kriegsteilnehmerschaft abzutragen, stellte deshalb schon im Jahre 1917 die Lederwerke Wieman A. - G. auf Veranlassung des Verstorbenen Herrn Franz A. Wieman ein Grundstück sowie die Summe von M 250.000.- zur Verfügung. Mit diesen Vermögenswerten wurde die Franz A. Wieman Stiftung gegründet, welche gleich nach Beendigung des Krieges eine Reihe von Einfamilien Häusern baute und sie zu billigen Mietsätzen an Kriegsteilnehmer und deren Hinterbliebene abgab

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Franz A. Wieman Stiftung besteht auch heute noch unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters der Stadt Neumünster und ist durch den Zubau weiterer Häuser erheblich vergrößert worden.

Unabhängig davon erbauten die Lederwerke Wieman selbst auf dem Grundstück, auf welchem wir jetzt stehen ,im Jahre 1921 eine Arbeiterkolonie, deren Häuser auch in erster Linie für Kriegsteilnehmer und dann für langjährige Arbeiter bestimmt waren. Es wurden damals zunächst 32 Einzelhäuser hergestellt mit je ungefähr 1.000 qm Land. Die Miete, die man dafür ansetzte, war denkbar niedrig..

 

In den letzten beiden Jahren haben nun die Lederwerke das ganze zur Verfügung stehende Land mit 65 Einzelhäusern voll bebaut. Die Häuser selbst sind dabei auf die Bewohner als Eigentum überschrieben worden und zwar der Art, daß die Lederwerke Wieman den Grund und Boden frei zur Verfügung stellten, Eine Verminung des Kapitals nicht in Anrechnung bringen sondern nur das Baukapital zurückgezahlt werden muß. Die Bewohner der Häuser sind dann nach 15 Jahren freie Besitzer ihres Heims.

Die Beträge, welche die Bewohner Monatlich zurück zahlen, fließen teils der Franz A. Wieman Stiftung zu, die einen großen Teil des Baukapitals zur Verfügung stellte, und der Rest geht in eine neue Stiftung. Die Erträge dieser neuen Stiftung sollen Bedürftigen, alten und invaliden Mitgliedern der Gefolgschaft zu gute kommen. Dieser ganze Plan ist noch zu Lebzeiten von Herrn Wieman, dessen Todestag sich in diesen Tagen zum erstenmal jährt, angeregt und beschlossen worden.

Das soziale Verständnis, welches bei den Lederwerken Wieman immer geherrscht hat, bekundet sich weiter in einer reihe sozialer Einrichtungen, die ihnen ja allen bekannt sind.

Ich erinnere nur an die Gründung der Genossenschaft, die ebenfalls schon 1921 erfolgte, an die Aktienbeteiligung der Gefolgschaftsmitglieder, die Kinderverschickung in die Ferienheime und vieles andere, das dem Wohle der Gefolgschaft dient.

B

1) Dank diesem Wirken haben sich stets Führer der Gefolgschaft der Lederwerke Wieman als eine einzige große Familie gefühlt.

Der Erfolg und der Nutzen, der aus dieser vorbildlichen Zusammenarbeit von Führer und Gefolgschaft entstand, kommen nicht nur den Mitarbeitern und Freunden der Fabrik, sondern auch der Stadt Neumünster, der Provinz Schleswig-Holstein und unseren ganzen Vaterland zugute.

Gemeinsam haben wir den großen Aufschwung der Lederwerke Wieman erlebt.

2) In Wehmut und Stolz haben wir die besten aus unseren Reihen in den Krieg ziehen sehen. Gemeinsam war der Schmerz über die Kameraden die ihr Leben fürs Vaterland dahin gaben , diese Söhne der Holsteiner Erde , welche im fernen Lande ihre Treue mit dem Tode besiegelten.

Ihr Tod war nicht umsonst und jeder von hat die Aufgabe, ihr Werk irgendwie fortzusetzen und zu versuchen den Platz, den sie einnahmen , auszufüllen.

3) Aus diesem Gedanken heraus und um diesen Geist der Erinnerung wachzuhalten, errichten wir an dieser Stelle die beiden Gedenksteine für Franz A. Wieman, den Gründer der Lederwerke Wieman und für seine im Weltkrieg gefallenen Mitarbeiter.

Mögen, wenn wir alle, die wir hier versammelt sind, nicht mehr unter den Lebenden weilen, diese Steine den kommenden Geschlechtern die Erinnerung an große Männer und große Zeiten wachrufen.

Möge der gute Geist des getreuen Zusammenstehens, wie er durch diese beiden Gedenksteine versinnbildlicht wird, immer dar in allen Werken, in allen Städten und dem ganzen deutschen Vaterlande herrschen.

Ich bitte die Anwohner dieser Stätte diese beiden Gedenksteine in Ehren zu halten, die Stadt Neumünster und Sie, verehrter Herr Oberbürgermeister, dieselben in ihren Schutz zu nehmen.

 

 

 

Rede von Franz Adolf Otto Wieman geb. 1871, gest. 1937Franz Arnold Wieman und Ehefrau Anna. Béchard

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fest am Leinpfad ? Einer der Knaben vorne ist wahrscheinlich Rolf Jürgen Meise.

 

 

 

 

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