Aufzeichnungen Notar Thüssing

Aufzeichnungen

des Notars und Domwerkmeisters Joseph Thüssing ( 1772 — 1848).

 

 

 

 

 

 

 

Es handelt sich um ein kleines in grünen Samt eingebundenes Büchlein Büchlein (5,5 zu 9,5), das ich (Clemens Steinbicker)von meiner Mutter Sophia Steinbicker geb. Tüshaus erhalten habe. Diese wiederum hatte es von ihrer unverheirateten Tante Sophia Tüshaus und diese von ihrer Mutter Sophia Tüshaus geb. Thüssing, der ältesten Tochter des Schreibers erhalten. Es umfaßt noch 32 Blätter. Vier Blätter sind herausgeschnitten, von denen mindestens eine Seite beschrieben war.

Von den noch vorhandenen Blättern sind 13 Blätter leer geblieben.

 

 

 

 

Text

S. 1 Einige kleine Gedanken über einen großen Gegenstand.

 

 

S. 2 Theure Du wolltest es, darum stehen sie hier.

 

S. 3 Schon lange:

 

Träume der Phantasie verdrängt die Zeit, Urtheile die auf Wahrheit sich gründen bestätigt sie. — Cicero.

Mögte sie dies bestätigen !

 

 

Nachtrag in anderer Tinte: Ingenii commenta delet dies, naturae Judicia confirmat.

 

 

S. 4 den 15ten März 1797

Jener große Tag ! — Mögte der Herr mir geben, was Ihm; nicht was mir das Beste scheint.

 

 

den 6 ten April

 

 

Herr ! Nach den Wünschen meines Herzens verfährest Du mit mir und wonach ich so lange sehnte, das ließest Du mir zu Theile werden; Du gedachtest meiner und erfreuetest mich; mein ganzes Leben will ich Dir danken. Amen 1 —

 

 

S. 5 den 5 ten April

Jenem großen folgte ein noch größerer Tag, und zeigte mir das größte Erdenglück in der Nähe, -

Auf Dich nur Herr vertraue ich, nie werde ich zu Schanden !!Amen

 

 

S. 6 den 29ten April

Herr Overberg bestätigt den Entschluß.

Herr ! Leite mich durch treue Führer. Amen.Dein Engel weiche nie von meiner Seite. Amen.Wenn Unvernunft und Thorheit mich bestürmen, so seye Du mein Schild 0 Herr ! —

 

 

S. 7 Endlich den 7ten May

Wie vergelte ich es dem Herrn, was er mir that ? ! —! — Frolocket im Herrn, alle die ihr auf ihn vertrauet! Preiß Dir Vater für mein Leben,

Laut soll Dich mein Lied erheben,

Ganz sich meine Seele freue

Lobgesang mein Mund mir seye. Amen. Amen.

 

 

den 5 ten July —97.

S. 8 Der Vater gab mir mehr als ich wuste und verstand. Achte nichts für so groß, daß Du es von der unendlichen Vatergüte Gottes nicht erwarten könnest. —Der Vater ist bereit Euch gute Gaben zu geben, wenn ihr darum bittet.

J. Christus.

 

S. 9 Der Vater weiß, weßen ihr bedürfet, auf ihn werfet alle eure Sorgen.

Kann wohl eine Mutter ihres Kindes vergeßen ? und könnte sie es,

der Vater vergisst doch unser nicht.

Wir wissen, daß denen die Gott lieben alles zu ihrem Besten mitwirke.Paulus.

So wollen wir denn nur streben den Besten zu lieben und dann — was soll uns dann kümmern ? — J. B.

 

S.lo leer

S.11/12 herausgeschnitten. ä. 11 war beschrieben.

 

 

S.13 1797 den lo ten September

Herr ! ! !

Wie war mir, wie ich von Dir keinen Trost hatte.

L

Erwecke beständig in dir die Begierde, für Christum in allen Dingen und bey allen Gelegenheiten zu leiden.

S.14 Opfere dich Gott täglich oftmalen auf mit Eifer, und

einer großen Begierde ihn zu besitzen.

 

Gewöhne dich zu allen Stunden mehrmals die Liebe zu Gott

in deinen Herzen zu erwecken. Dadurch wird das Herz entzündet und geweihet werden.Erinnere dich oft, daß du nur eine.

 

 

S.15 Seele habest, daß du nur einmal sterben werdest, daß du nur ein kurzes Leben besitzest, und daß es nur eine Herrligkeit gibt- ,die ewig ist. - Dieser Gedanke wird dich von vieler Anhänglichkeit an zeitlichen Dingen befreyen.

Dein Verlangen sey, Gott zu sehen; Deine Furcht Gott zu verlieren, Dein Leiden, das Du

 

S.16 Ihn nicht besitzest; Deine Freude, daß Er dich zu sich ziehen kann. - So wirst du in großen Frieden leben. -Herr lasse uns in großem Frieden leben ! ! !

So bathen wir 1798 am 5 ten May, da Morgens um 6 Uhr (Hochzeit von Josef und Barbara) ein unzertrennlich Band uns verknüpfte.

J. et B.

 

 

 

 

 

S.17 1 te Hausfreude

am 2 ten April 1799 wurde uns ein Knäbchen gebohren, und wir waren froh im Herzen darob vor dem Herren; aber noch herzlicher war unsere Freude als am 4 ten dies Knäbchen ein Christ wurde.

Nahme: Adolph. Bernard Joseph. Ambrosius. -Pathen: Adolph H. B. Fhr. Droste Erbdrost und Mutter Grone.

 

S.18 2 te Hausfreude

 

am 21ten Sept. 1800. Der Herr erfüllte den Wunsch unsres Herzens; um halb zwey Uhr kam zu dem Söhnchen ein Töchterchen, und wurde am 23ten getauft.

Nahme: Sophia, Carolina, Barbara

Pathen: Soph. Alexandrina verwitw. Erbdrostinn

Caspar Maximil. Bischof zu Jericho. - ‑

Des Herren Wort sey deine Lust 1

 

 

 

S.19 18o2. 6. Aug. 1te Haus Trauer

Unser Söhnchen Adolph starb in der verwichenen Mitter Nachts Stunde, nach 8 tägigen Leiden an dem Kopfwasser,

in einem Alter von 3 Jahr 4 Mon. 3 Tag.

Des Herren Wille sey gebenedeyet 1

Herr lasse ihn uns einst in Jubel wieder sehen ! Amen.

 

 

S.2o 3te Hausfreude

18o2. 11. Sept. Diesen Morgen 3 Uhr sandte uns der Herr ein gesundes Mädchen, und erfreuete unser krankes Herz. Pathen: Am 12ten wurde die Kleine getauft, und erhielt die Nahmen Anna Maria Gertrudis von Mutter Gert. Thüßing und StiefUhrGroßvater Philip Erpenbeck. ‑

Des Herren Gnade sey nicht an Ihr umsonst ! Amen.

 

S.21 4te Hausfreude

1804. 26. Juny. Nach langem Harren erfreuete uns der Herr diesen Morgen zwischen 4 - 5 Uhr mit einem gesunden Söhnchen, und schenkte wieder was Er vor 2 Jahren entnahm.

Am 27ten wurde der Kleine getauft und erhielt die Nahmen: Adolph Bernard.

Pathen: Adolph H. B. Reichsfrhr. Droste Erbdrost und Mutter Grone. Der Herr sey mit Ihm ! Amen.

 

 

S.22 5te Hausfreude

18o6. 27. Sept. Des Vormittags gegen 9. Uhr erfreuete uns der Herr mit dem 3ten Söhnchen, welches am 28ten in der Heil. Taufe die Nahmen Philipp Joseph erhielt. Pathen:Uhr—stief-Groß-Vater Philipp Erpenbeck und Margaretha Brockhausen gebohrene Thüssing. ‑

Der Herr leite ihn ! -

 

 

 

S.23 6te Hausfreude

 

18o8. 2. Novemb. Heute morgens gegen 5 Uhr schenkte uns der Herr das 3te Mädchen, welches am 3ten Nov. getauft wurde und die Nahmen Maria Anna Gertrudes erhielt.

Pathen: Mutter Grone und Schwager Friderich Brockhausen Ihr Leben sey froh, ihr Ende glücklich !

 

 

 

S.24 7te Hausfreude

181o. 12. August. Heute Nachmittags 5 Uhr erfreuete uns der Herr mit dem 4ten Söhnchen, welches am 14ten Aug. in der h. Taufe die Nahmen Friederich Bernard erhielt.

Pathen waren: Bernard Grone Kaplan zu Bösel und Margaretha Brock hausen gebohrene Thüssing.

Der Friede des Herrn seye mit ihm !

 

 

S.25 8te_Hausfreude. 2te Trauer

1813. 18. Februar. Ein niedliches und stilles Töchterchen erschien heute nachmittags oder vielmehr abends - 9 Uhr, und wurde am 20ten mit der Heil. Taufe beglückt, und

Maria Theresia Bernardina genannt, indem Schwester Therese Ehefrau Diepenbrock zu Warendorff, und Bruder Bernard Grone zu Bösel die Gevatteren waren. - Allein am vierten März 1813 Nachmittags 2 Uhr schlummerte die Kleine sanft und stille zur ewigen Freude, an den Gichtern hinüber. - Ihr Sterben war kaum zu bemerken.

 

S.26 9te Hausfreude-

1814. 9. Feb.Heute den neunten Februar des Jahres ein tausend achthundert und vierzehn, des vormittags halb zehn Uhr, in dem Augenblick als uns ein rußischer Uhlanen General zur Einquartierung angesagt wurde, und das Heranrücken von Uhlanen und Basquirs die ganze Gegend in Besorgniß versezte, - erfreuete uns der Herr, - nach langem Harren, mit einem gesunden Töchterchen, welches am loten Feb. in.der Heil.Taufe die Nahmen Anna Margaretha Henrica erhielt.

Taufpathen: Anna Margaretha Brockhausen gebohrne Thüßing und Ohm Johann Heinrich Diepenbrock zu Warendorff.

- -Der Herr sey deine Lust!

 

 

S.27 1ote Hausfreude.

1817. lo. Januar.Heute Nachmittags halb zwey Uhr schenkte uns der Herr das 1ote Kind, ein gesundes wohlgebildetes Töchterchen.

Die Kleine wurde am 12ten Januar 1817 getauft, und erhielt die Nahmen: Maria Anna Bernardina.

Taufpathen waren, die Tante der Kleinen: Maria Anna Sophia Neiteler, gebohrene Fröndhoff in Münster, und Schwager Bernard Grone zu Bösel.-

 

 

 

Maria Anna Bernhardine Thüssing

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sey Du der Thorheit fremd, und liebe nur was Liebenswürdig ist, den Urgrund aller Liebenswürdigkeit, Deinen Vater im Himmel !

 

S.28 llte Hausfreude

1818. 14. Novemb. Nachmittags halb zwey Uhr schenkte uns der Herr das eilfte Kind, jezt das 9te von den noch Lebenden. Es war ein gesundes Töchterchen, dem am 16ten Novemb. in der Heil. Taufe die Nahmen Theresia Josephina

gegeben wurden.

Taufpathen waren: Frau Sch. Pröbsting gebohrene Maria Theresia Freye, und Herr Joseph Franz Schütte, Caplan zu Ostbeveren. Lerne du aus eigener Erfahrung, wie süß des Herrn Joch, wie leicht seine Bürde ! Für den Herrn bist du erschaffen, in Ihm suche deine Ruhe ! Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Josefine geb. Thüssing geb. 14.11. 1818 gest.26.5.1857

mit Ehegatten

Clemens Steinbicker geb.4.7.1818 gest 27.2.1902

 

 

S.29 12te Hausfreude.

1821. 2o. Feb.1821 am 21ten Februar spät Abends um halb 12 Uhr erschiene nach des Herrn Wille, unser zwölftes Kind, das lote von den jetzt Lebenden, ein zartes Töchterchen. Daßelbe erhielt am 22ten Februar in der heil. Taufe die Nahmen:

Maria Theresia Wilhelmina Josepha

Taufpathen waren: Schwester Diepenbrock, gebohrene Mar. Theres. Thüssing und Herr Wibhelm Stahl aus Westbeveren. –Werfe du alle deine Sorgen auf den Herren, denn er hilft dir gern; – Nur in Ihm ist Heil ! – Gott ist die Liebe.

Kurz sind die Leiden dieser Zeit, Ihr Lohn ist ew'ge Seeligkeit !

 

 

S.3o Da wir seit dem 22. April 1819 das Schückingsche Haus auf dem alten Steinwege angekauft, und seit August d.j. in diesem Hause einen Laden hielten, den unsere ältesten Kinder mit einer Magd versahen, wobey dann die anderen Kinder zum Theile im Hause waren, um in die Schule gehen zu können, dies aber mit allerhand Mühe und Umständen und den Kosten einer doppelten Haushaltung verbunden war, auch das Herz von Mama und Papa dem lieben vaterländischen Münster mit aller Vorliebe und Sehnsucht anhing;

 

 

 

S.31 so wurde im November 1821 unsere ganze Haushaltung von Ostbeveren nach dem theueren Münster verlegt. Mama mit den Kleinen begab sich am 1oten November dahin, und nachdem Papa am 24ten November 1821 mit seinen Papieren gefolgt war, hatte seitdem unsere Haushaltung zu Beveren völlig aufgehört. Gott segne uns nun ferner, wie Er uns bis dahin gesegnet hat. Amen ! –

 

 

S.32 1822 am 16. May, am Christi Himmelfarts Tage, um lo Uhr Vormittags, grade zur Zeit als im Dom die Himmelfarth des Heilandes gesegnet wurde, wurde auch Mutter Grone gebohrene Gertrudis Neiteler zur ewigen Wonne aufgenommen, und zwar in ihrem 82ten mit Mühe, in Gebet und Arbeit durchlebten Lebensjahre.

Ihre Leiche wurde zu Ostbeveren, auf dem Kirchhofe am Dorf... (?) beygesezt, und zwar in Gegenwart ihrer beyden Kinder, und verschiedener Anverwandten. Sie ruhe in Gottes Frieden !

 

 

 

 

4 Schwestern Thüssing

 

Sophia Caroline Barbara verh. Tüshaus/Anna Margareta Henrica /Maria Anna Bernardina verw. Wegner/Theresia Josephine Johanna verh. Steinbicker/

 

S.33 1823 um 2 Uhr in der Nacht vom 24ten zum 25ten Juny starb sanft und stille unser Töchterchen Maria Theresia Wilhelmina Josephs, an der Auszehrung, woran es seit ungefähr 1 1/2 Jahren mehr oder weniger gelitten hatte.

 

 

S-.34 1848 am 21 July starb mein lieber Mann Joseph Thüssing,

womit ich 5o Jahre in gottseligen Frieden gelebt habe, eines

Ruhigen und Sanften Todes in meinen Armen am Schlag. Mein Trost ist ein baldiges Wiedersehen wo wir dann wieder Vereiniget, dem lieben Gott, dem Er so sehr liebte von Ewigkeit zu Ewigkeit schauen werden. Welche Freude –Welche Wonne.

 

 

 

1847. Wir wurden hart geprüft, da wir 8 Monathe zuvor unsern lieben Schwiegersohn Joseph Jungmann, durch den Tod verlohren, und viele Waysen hinterließ.

 

 

S.35 Auch unsern ältesten Sohn Adolph, nahm der liebe Gott zu sich in die Ewigkeit. Unser größter Trost war, Er starb als Krist und Gott ergeben. Auf eigenes Verlangen, dem Heyland noch vor seinem Tode-zu empfangene

 

S.36 der Ihm dann auch durch das Gebet seines frommen Vaters gnädig gewesen ist.

Die trauernde Gattin und Mutter Barbara Thüssing gebohrne Grone 1847.

 

S.37 Sieben Jahre-nach meines lieben Mannes Tode 1855 am 3ten Junyus, als am Tage der Heiligsten Dreifaltigkeit, hatte ich die große Freude unser gestorbenen Tochter Gertrudis, ihren ältesten Sohn Joseph zu erleben, daß derselbe in Rom mit der Gnade Gottes zum Geistlichen Stande dort die III. Weyhen erhalten, seyne Erste

 

S.38 Hl. Meße gelesen, am Altare des Hl. Aloysius. Der Herr gebe Ihm die große Gnade, das Er als ein würdiger Priester mit Wort und Thaten, durch dieses.Leben wandele, und viele Seelen für Gott gewinne. Dieses bitte ich zu Gott.

 

 

B. Thüssing in meinen 77sten Jahr