Schwester Mathilde W.

 

 

Schwester Hilde Wieman (Mathilde Sophia Josefine /Wieman/) erzählt:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ich stamme aus einer Familie, die seit 1648 in Osnabrück ansässig gewesen war. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam der erste bekannte Wieman als Notar im Gefolge des Bischofs (Franz Wilhelm stammt daher der Vorname ??) von Wiedenbrück nach Osnabrück. Frühere Daten lassen nur Vermutungen zu, da die meisten Akten im Krieg verloren gegangen sind.

An die Herkunft von Wiedenbrück erinnert unser Familienwappen; ein Weidenbaum (Wiede)

 

 

 

Von Otto und Thilda Wieman, meinen Eltern ,will ich nun erzählen.

 

Mein Vater, Otto Wieman, wurde in Osnabrück im Jahr der Reichsgründung am 16. Juni 1871 geboren. Sein Elternhaus stand in der Süsterstraße 3, (Schwesterstraße), einem uralten Gebäude, von dem es eine Urkunde aus dem Jahre 1240 gibt. Nach wechselvollem Geschick kam der Hof 1821 an die Familie Wieman. Hier wurde mein Großvater, Otto Franz Mathias Wieman, am15. September 1825 also noch zur Zeit Goethes, geboren. Er war wie bereits seit dem 18. Jahrhundert in der Familie üblich, einer der Namensträger, alle ältesten Söhne mußten Franz heißen, so daß meine Schwägerin ( Monica Wieman, geb. Kolbe) einmal nach der Geburt des Söhnchens einer ihrer Bekannten seufzend meinte, als es auf den Namen Franz getauft wurde: „Es gibt tatsächlich Leute die ihr Kind freiwillig Franz nennen.“

 

 

Dieses Haus in der Süsterstraße bewohnte meine Großmutter Sophia Wieman geborene Thüssing, aus Münster bis zu ihrem Tod 1923. Da wir sie öfters besuchten, erinnere ich mich noch gut daran.

 

 

 

 

 

Durch den Toreingang führte ein großer Hof in das Wohnhaus mit seinen drei Flügeln. Im Mittelpunkt lebte meine Großmutter, den rechten Flügel bewohnte ihre Schwester mit vier unverheirateten Töchtern. Im Erdgeschoß befand sich ein langer Saal, der „Lange Jammer“ genannt, der auch seit langem nicht mehr benutzt war und in seiner kalten Pracht eher einem Museum glich. Eine riesige Glasglocke barg eine Reiterfigur, und an der Wand konnte man eine reichverzierte Standuhr bewundern.

 

Der linke Flügel enthielt die Geschäftsräume für die Fabrik, eine Gerberei. Hier leitete Großvaters Bruder, Carl Philipp Wieman, nur C.P. genannt, als standesgemäßer Herr die Geschäfte, während mein Großvater sich um die Arbeiter kümmerte und in Gerberstiefeln einherstapfte.

 

Vor dem Hauseingang hing eine Handglocke an einem mit Kreuzstich besticken bunten Band. Drinnen umfing uns eine eigenartige Atmosphäre. Zuerst kamen wir in eine riesige Küche unter einem Gewölbe mit wuchtigen Mauern. Sie strömte einen angenehmen, undefinierbaren Geruch aus, eine Mischung von Küchendunst und leichtem Moder, wie ich ihn nirgends je wieder erlebt habe. Auch die Wohnräume hatten dicke Mauern.

Wir schliefen in einem Zimmer mit dem Blick auf die gegenüberliegende Johanniskirche. Nebenan lag eine enge, düstere Kammer; es hieß, daß darin die widerspenstigen Schwestern eingesperrt worden seien. Wir zogen als Kinder mit einem leichten Schauer daran vorbei.

 

Zurück zu meinem Großvater (Otto Franz Mathias).

 

Er war ein strenges, nach patriarchalischen Grundsätzen regierendes Familienoberhaupt, der seine Kinder in Gottesfurcht erzog. Bei Tisch durften sie nur dann sprechen, wenn sie gefragt wurden. Sonntags fuhr die ganze Familie oft in einer großen Kutsche, Arche Noah genannt, spazieren. Für die Dienstboten kannte man keinen Ausgang. Das Mädchen mußte stundenlang am äußeren Tor Wache halten und auf die Rückkehr der Kutsche warten, um dann sogleich die großen Torflügel zu öffnen. Ihre einzige Unterhaltung war für gewöhnlich die erbauliche Lektüre aus der „Hauspostille für die christliche Jungfrau“. Meinem Vater (Franz Adolf Otto) hat sie immer leid getan.

 

Großvater (Otto Franz Mathias)war auch ein begeisterter Jäger. Kam er von der Jagd nach Hause und hatte er Waidmannsglück gehabt, dann erzählte er gern von einen Erlebnissen und freute sich, wenn man ihn danach fragte.Tat man es nicht, beklagte er sich, dass man so wenig Interesse für ihn hätte. War ihm aber wenig oder gar nichts vor die Flinte gekommen, und die Kinder wollten wissen , wie es gewesen war, dann schalt , Kinder sollten nicht so vorwitzig und neugierig sein.

 

In der Nähe des Hauses lag das Carolinum die älteste deutsche Schule, die von Karl dem Großen gegründet worden war. Hier erhielt mein Vater (Franz Adolf Otto)

 

eine gute humanistische Bildung, die uns Kindern später zugute kam. Als wir klein waren, schlüpften wir zu ihm ins Bett und lauschten wir den spannenden Geschichten von den Irrfahrten des Odysseus ; oder er sang uns alle Strophen verschiedener Lieder vor: z.B. „Als die Römer frech geworden“ und gab uns die dazugehörige Belehrungen welche unsere Bildung erweiterte.

 

Unser Vater ging gerne zur Schule. Ob er aber immer ein aufmerksamer Schüler war? Der Lehrer musste ihn eines Tages ermahnen : „He, he da sitzt der kleine Wühmann und guckt in die Luft und wartet, dass ihm der Kartoffelpfannekuchengeruch aus der Süsterstraße in die Nase steigt!“ Diesen Satz konnte Vater dramatisch zum Besten geben. Seine Schuljahre fielen in die Zeit des aufstrebenden Kasierreichs, das Bismarck mit eiserner Hand regierte. Im Zuge des Kulturkampfes erließ er 1872 das Jesuitengesetz; die Mitglieder des Ordens wurden ausgewiesen und durften das Land nicht mehr betreten. Doch einmal kam ein Jesuitenonkel (P. Joseph Jungmann S.J. 1830-1885, Professor der Theologie an der Universität Innsbruck.) Vetter des Vaters, heimlich aus Innsbruck zu Besuch, als Schlachter verkleidet, in blau-weiß gestreiftem Anzug mit der Kiepe auf dem Rücken. Hinter verschlossenen Türen feierte er die Messe und unser Vater war sein eifriger Ministrant.

 

Nach der Schulzeit leistete er seinen Militärdienst in Emmerich nahe der holländischen Grenze

Es belustigte ihn oft, wenn vor dem ausreiten das Kommando des Feldwebels erscholl: „Klabastert op de beesten!“ Weil er sehr natur liebend war, wollte er Apotheker werden, denn er dachte, viel im Freien mit den Pflanzen zu tun zu haben und zu lernen, die Heilkräuter zu bestimmen. So kam er zu einem Apotheker in die Lehre. Wie groß war aber seine Enttäuschung, dass er, statt zu botanisieren, den ganzen Tag Pillen drehen musste. Da wurde ihm der Beruf so verleidet, dass er beschloß, ihn aufzugeben. Dies schrieb er also seinem gestrengen Vater, ging aber dreimal zum Briefkasten und wieder zurück, bis er es endlich wagte wagte, den Brief einzuwerfen.

Als Lehrling in der Apotheke in Emmerich

 

 

Die Liebe zur Natur war ihm aber geblieben, was auch darin zum Ausdruck kam, dass er für die Telegrammadresse seiner Firma das ganz und gar ungeschäftsmäßig poetische Wort „Myosotis- Vergissmeinnicht“ wählte.

 

Nun trat er in den Beruf seines Vaters in die Lederbranche ein und kam in die Lehre zu seinem ältesten Bruder Franz, der in Neumünster bei Hamburg eine Lederfabrik gegründet hatte, die sich zu den bekannten „Lederwerke Wieman A.G.“ mit den Zweigniederlassungen in Buxtehude und Eschweiler entwickelte.

 

 

Lederwerke Wieman AG

Aktie 100 RM, Nr. 10327

Hamburg, 11.5.1942 EF

Auflage: 2.000. Gründung 1908. Produktion von

Sohlleder alter Grubengerbung und Vacheleder in

Gruben- und gemischter Gerbung, ferner Oberleder,

Fahlleder, Blankleder, Pantinen und Spalte.

Lochentwertet. (Einlieferer-Nr.: 135

 

 

 

Bald machte Vater sich selbstständig in einer eigenen Lederhandlung in Hamburg, die aus kleinsten Anfängen eine der größten in Deutschland wurde ???

Noch bedeutender war die Ledergroßhandlung eines Juden Mendel. Dieser musste in der Nazizeit der Bedrückung ?? weichen und wanderte 1937 aus. Er übergab seine Firma meinem Vater. Es wird erzählt, dass er , als er zum letzten Mal vor seinem luxuriösen Geschäftshaus stand, ihm seine Faust entgegen schüttelt und es ihm Namen Yawehs verflucht habe. Tatsächlich hat sich dieser Fluch bewahrheitet, denn nach den Krieg konnten meine Brüder wegen der veränderten Wirtschaftslage die Firma nicht mehr halten, so dass sie erlosch.

Im Zuge der Wiedergutmachung traten die Mendlschen Vermögensverwalter nach dem Krieg mit vermeintlichen Ansprüchen an meine Brüder heran. Der alte Mendel der noch im Ausland lebte, erklärte auf die nobelste Weise, dass er keine Forderungen zu stellen hätte, da mein Vater ihm seinerzeit alles rechtmäßig erstattet habe.

 

 

 

 

Vater heiratete im Jahr (26. Juni) 1906 in Quakenbrück. Für die kleine Stadt war es eine Sensation, als hierbei mit einem der frühen Autos das Paar seine Hochzeitsreise antrat. Dies Auto gehörte seinem Bruder Paul, der eine Quakenbrückerin (Elisabeth Julie Wilhelmine /Wehmeyer/) geheiratet hatte.

 

 

Unsere Mutter !

Sie war in einer Kleinstadt aufgewachsen, in Quakenbrück bei Osnabrück, wo sie am 13. Januar 1885 zur Welt kam.

 

Mathilde Dorothea Ficker geb. 13 Jan 1885

und

Hermann Emil Ficker geb. 14 Okt 1887

 

 

Ihr Vater, Hermann Ficker starb als sie 11 Jahre alt war.

Seine Frau , geborene Schade, hieß Mathilde,

 

denn meine Urgroßmutter hatte ihre Tochter nach ihrer Freundin, Mathilde Hoensbroech genannt und so kam der Name in unsere Familie. Meine geliebte früh verwitwete Großmutter und Patin erzog die große Kinderschar, die ihr Mann ihr hinterlassen hatte, energisch und liebevoll. Sie genoss so sehr die Dankbarkeit und Verehrung ihrer Kinder,dass diese fast alle , als sie selber Eltern wurden, einer ihrer Töchter den Namen Mathilde gaben, jeweils mit einer Variante: Tilli , Tilla, mit mir zusammen zweimal Hilde , dazu eine Tochter die ins Kloster ging und als Ursuline eine Mater Mathilde wurde. Es gab also 5 Kusinen in der Familie in einer Generation, die Mathilde hießen.

Von ihrem Vater gab es eine lustige Geschichte.:

 

Um das Jahr 1860 besuchte der König von Hannover seine treuen Untertanen in Quakenbrück und lud die Honoratioren des Städtchens zu einem Herrenessen in das Rathaus ein. Zum Nachtisch gab es Eis,eine unbekannte Neuigkeit. Vater Schade,der liebende Gatte wollte seiner Frau eine Kostprobe mitbringen und schob eine kleines Stückchen Eis unter seine Frackschöße. Das Eis zerschmolz und die darauffolgende Tragik-komische Szene kann man sich ausmalen.

 

Clemens Schade

1819 - 1905

 

 

 

 

Eine andere Anekdote:

Eines Tages spielten alle Kinder wohl recht lärmend zur Mittagszeit, als plötzlich die Tür aufging und es ertönte: „ Marie, Bertha, Clemens, Gerd, Karl, Thilda, Hermann“! „Was ist das wieder für ein fürchterlicher Krach! Könnt Ihr Eure arme Mutter nicht eine Viertelstunde ruhig schlafen lassen?“

„Marie, dein Geklimper ist nicht auszuhalten! Bertha, lass das ewige Trillern und Singen sein! Clemens ,Gerd und Karl, müsst Ihr Euch dauernd zanken?“

und dann in zärtlichen Ton: „Thilda und Herrmännchen, kommt mal her. Haben die Großen euch etwas getan? Seid nur lieb und spielt schön weiter.“

Mathilde und Herrmännchen

Ca. 1890

 

 

 

Stets hielt sie auf gute Formen. In ihrer letzten Krankheit reichte man ihr etwas Sekt auf einem Teelöffel. Sie wies ihn zurück und hauchte „Sektglas“

 

Sie vererbte ihren ausgeprägten Familiensinn ihren sieben Kindern, die ihn bewusst pflegten und weitertrugen. So gab es einen regen Austausch in den Ferien, zwischen Hamburg, Quakenbrück, Köln, Emmerich und Dresden.

Duhnen an der Nordsee

August 1925

Hanni Ficker/Hilde Ficker/Paul Wieman/Ike Ficker ( Evers)/Tücki Wieman/Karl-Heinz Wieman

 

 

 

Unsere Mutter verbrachte eine glückliche Kinder- und Jugendzeit. Im Gegensatz zu meinem ernsten Vater war sie lebhaft und lustig, warmherzig und so beliebt, dass ihr überall die Herzen zuflogen. Sie ging in Quakenbrück auf die „Höhere Töchterschule“, lernte spielend leicht und wusste als das Klassenziel erreicht war, so ziemlich alles, was eine „Höhere Tochter“ wissen musste. Damals um die Jahrhundertwende, dachte man nicht daran, die Mädchen studieren zu lassen. Für das Pensionat war sie noch zu jung und so musste sie kurzerhand die letzte Klasse noch einmal durchmachen. Es ist begreiflich, dass sie sich tödlich langweilte und in den Klassenstunden nichts als Dummheiten im Kopf hatte. Einmal wickelte sie sich zum Gaudium ihrer Mitschülerinnen eine Garnrolle um die Zunge und hatte größte Mühe, ihr gemartertes Glied wieder zu befreien.

 

Dann aber kam sie ins Pensionat von Vallendar (Marienburg) auf die Frauenschule, wo sie auf ihren zukünftigen Beruf als Hausfrau und Mutter , wie es selbstverständlich war, vorbereitet werden sollte. Sie war von Anfang an begeistert ,schloss lebenslange Freundschaften und blieb der Oberin , Mutter Aurelia Daelen, einer großartigen, mütterlichen Frau und guten Pädagogin,stets dankbar verbunden.

 

Am 26. Juni 1906 heiratete sie meinen Vater (Franz Adolf Otto /Wieman/), der 16 Jahre älter war als sie. Es war eine Liebesheirat, die in eine glückliche Ehe führte. Nie habe ich ein ungutes Wort zwischen meinen Eltern gehört. Mutter wusste sich immer in kluger Weise anzupassen.

 

Ihre ersten Ehejahre waren schwer für sie. Ohne irgendwelche Bekannte in eine Großstadt verschlagen , fühlte sie sich sehr einsam. Mein Vater , der allem gesellschaftlichen Leben abgeneigt war, hatte es nicht für nötig gehalten, sich, abgesehen von einigen Pflichtbesuchen, in den guten Hamburger Familien einzuführen. So war Mutter fast den ganzen Tag allein.

 

Vater war sehr fromm. Es muss nicht lange nach der Hochzeit gewesen sein, dass er auf die Idee kam, Kartäuser zu werden. Er drängte meine Mutter , ihm dazu ihre Einwilligung zu geben, abeer sie mit ihrem gesunden Wirklichkeitssinn war ganz und gar nicht damit einverstanden. „Dieser verrückte Mann“ sagte sie. „Erst hat er mich geheiratet und nun soll er auch bei mir bleiben.“ So geschah es .

 

Mutters Leben gewann neuen Inhalt durch die Geburt ihres ersten Kindes im Jahr 1908.

In Othmarschen, einer sehr schönen Wohngegend, bauten sie ein kleines hübsches Einfamilienhaus, das später erweitert wurde, da mein Vater, wie auch seine zarte Frau, zunächst mit wenig Nachwuchs rechneten. Franz (Franz Hermann /Wieman/) , war so schwach,dass man glaubte, er werde nicht lange leben und auch Mutter war so zart, dass sie dachte ihr Ältester würde auch ihr Einziger bleiben.

 

Aber es kam anders, denn anderthalb Jahre später meldete ich mein Kommen an. Ich bin am 2. August 1909 in Altona-Othmarschen einem Villenvorort von Hamburg geboren. Wenn ich heute als gebürtige Hamburgerin gelte , so stimmt das nur bedingt. Altona war damals noch längst nicht in die „Freie und Hansestadt Hamburg“ eingemeindet, sondern gehörte zur Provinz Schleswig-Holstein. Ich bin also eine gebürtige Preußin.

 

 

Am 8. August wurde ich in unserer Pfarrkirche zu Altona-Ottensen auf die Namen Mathilde Sophia Josephine getauft und war damit eine Diözesanin des Bistums „Osnabrück und die Nordischen Missionen“ von dem erst jetzt , im Jahr 1995, das neugegründete Erzbistum Hamburg abgetrennt worden ist.

 

Ich hatte es so eilig auf die Welt zu kommen, dass bei meinem Erscheinen an eine Fahrt zur Klinik nicht mehr zu denken war. Im Nachbarhaus, das gerade im Bau war, wude gehämmert und geklopft. Mein Vater lief hinüber, um zu bitten, etwas Rücksicht zu nehmen. Als er zurück kam, war ich schon da.

Er war gar nicht erfreut, dass ich ein Mädchen war, denn er hatte sich einen Stammhalter gewünscht und sah seine Hoffnung nun zerschlagen. Sein älterer Bruder Franz hatte nur zwei Töchter. Mein Bruder Franz ist aber 82 Jahre alt geworden und hat den Familiennamen bereits zwei Generationen weiter vererbt. Ich bin Vaters einzige Tochter geblieben, die seine große, ja zärtliche Vaterliebe erfahren hat.

 

Als Mutter nach meiner Geburt die Augen aufschlug und hörte, dass sie eine Tochter bekommen hätte, war das erste Wort, das sie flüsterte: „ Das Kind muss nach Vallendar“. Da war ich nun, ein hässliches kleines Baby, von dem meine hoch-musikalische Großmutter bei ihrer ersten Besichtigung befand, dass ich musikalische Hände hätte.

Mit dem Laufenlernen hatte ich wenig im Sinn. Ich erzählte schon ganze Geschichten, ehe ich geruhte, einen Schritt zu tun. In unserer Nachbarschaft war vier Monate vor mir meine spätere Freundin Ina geboren. Unsere Mütter fuhren uns zusammen im Kinderwagen spazieren.

Thilda Wieman mit Franz, Hilde und Otto-Clemens (im Kinderwagen)

 

Oft guckten Vorübergehende in die Wagen hinein und bewunderten die reizende blonde Ina, während sie mich ziemlich achtlos beiseite ließen. Dies wurde meiner Mutter eines Tages zu dumm. Kurz entschlossen bemächtigte sie sich des Wagens neben ihr und sagte der verblüfften Dame: „ Fahren Sie mal meinen Wagen, und ich nehme Ihren“.

 

Meine früheste Erinnerung ist ein Bild, das ich ganz deutlich vor mir sehe. Mutter in hellem Sommerkleid und mit großem Hut im Hirschpark auf einer Bank, neben ihr der Kinderwagen und ich davor am Gitter.

 

Thilda Wieman mit Hut und Sommerkleid

 

In diese Zeit fällt ein Erlebnis, dessen Bedeutung ich damals natürlich noch nicht verstand. Eines Tages bekamen wir ein evangelisches Kinderfräulein, deren erste Funktion darin bestand , uns zu Bett zubringen. Wir wollten gerade zu beten anfangen und machten ein Kreuzzeichen, da schrie sie auf, rannte zu meinen Eltern und erklärte, dass sie unmöglich mit Katholiken unter einem Dach bleiben könne, ergriff ihrer kaum ausgepackten Koffer und lief davon.

 

Liegt die Gestaltng des Familienlebens zwar weitgehend in den Händen der Mutter, so nahm auch Vater seine Verantwortung wahr und beschäftigte sich liebevoll mit uns. Er war ein richitger Kindervater, wie Mutter sagte. Nicht nur im Bett erzählte er uns schöne Geschichten. Zu Nikolaus besuchte er uns als der heilige Mann, ohne dass wir ihn erkannten. Kurz darauf kam er in s Zimmer und Mutter begrüßte ihn freudig,: „ Oh Vater, wenn du doch hier gewesen wärest! Gerade eben war der Nikolaus da!“ Aber nur einmal erlebten wir diesen Spaß, denn im nächsten Jahr hatten wir unseren Glauben schon verloren.

 

Vater war zwar sehr häuslich, für Mutters Geschmack viel zu sehr, denn sie hätte gern mehr Geselligkeit gehabt, aber sein Beruf ließ ihm unter der Woche wenig Zeit für uns. Vormittags fuhr er in die Stadt, hatte seinen Stand an der Börse, wo die Herren sich trafen und ihre Geschäfte abwickelten. Viele von Ihnen, die auswärts wohnten, nahmen ihr Mittagessen im Ratskeller ein. Vater, der wenig Geschmack an ihren Unterhaltungen fand, zog es vor, zu seiner einzigen Mahlzeit am späten Nachmittag nach Haus zu kommen, was seinen asketischen Neigungen entsprach, ganz im Sinne Benedikts, der für einen Mönch eine einzige Mahlzeit am Tag für ausreichend erachtete.

 

Vater war stolz auf seine Kinder und ließ ihre Bilder in seinem Kontor der Reihe nach aufhängen, bis wir alle 5 vollzählig waren.

Ich muss noch klein gewesen sein als Mutter mich enmal mitnahm, um Vater zu besuchen. Sein Kontor lag am Ende eines Raums, in dem eine schmaler Durchgang zu seinem Privatkontorführte, ein ziemlich dunkles Zimmer mit schweren Möbeln. Das Vorzimmer war durch ein niedriges Holzgitter abgetrennt.Hier saßen die Angestellten. Als Mutter mit mir hereinkam , standen sie zur Begrüßung auf. Ich fühlte mich sehr geehrt und wollte dieses Erlebnis gern noch einmal genießen. Schnell sagte ich Vater guten Tag und lief wieder hinaus, war aber sehr erstaunt, als bei meinem Erscheinen niemand Notiz von mir nahm.

 

Vater zeigte mir auch die Lagerhalle, wo die großen Lederballen aufgestapelt waren, die einen so kräftigen Geruch verbreiteten.

 

Die Spaziergänge führten uns oft an die Elbe. Das Wasser war in jener Zeit noch so sauber, dass wir mit den Füßen darin herum planschten konnten. Das Schwierigste an dem Vergnügen war, die Schuhe wieder anzuziehen. Ich war sehr stolz, als es mir eines Tages gelang, das Schuhband selber zuzubinden, waährend Franz sich vergebens bemühte und das Kinderfräulein ihm helfen musste. Wir beide waren unzertrennlich, wenn wir uns auch zuweilen zankten. So lagen wir uns eines Tages buchstäblich in den Haaren. Auf unser Geschrei eilte mein Vater herbei und fragte zürnend, warum wir uns stritten. Franz stand da mit zerkratztem Gesicht und ein paar Haaren von mir in der Hand. Gelassen erwiderte er: „ Och, nur eine kleine Meinungsverschiedenheit“

 

 

Franz und Hilde Wieman im Garten

Reventlowstraße

Im Garten durften wir uns kleine Beete anlegen. Ich fand, dass ich die schönen Blumen, die ich züchtete verkaufen könnte und zog mit einem kleinen Sträußchen ins Nachbarhaus. Von der freundlichen Dame bekam ich zehn Pfennig für meine Pracht. Strahlend lief ich nach Hause und war sehr enttäuscht, als mir dieses lukrative Geschäft verboten wurde.

 

Zu allen Jahreszeiten war unser Vordergarten eine Augenweide mit seinen abwechslungsreichen Büschen und Sträuchern. Spaziergänger, die an Sonntagen scharenweise aus der Stadt in dier hübschen Elbvororte von Altona bis Blankenese strömten, blieben oft stehen und schauten in den Garten hinein. Er wurde sorgfältig gepflegt von dem alten Gärtner Groth, der uns nicht nur wegen seiner überdimensionalen Schuhgröße imponierte, sondern vor allem aufgrund der Tatsache , dass er früher Löwenbändiger gewesen war. Einmal brachten wir ihm zu Weihnachten die Geschenke in sein Häuschen und sahen in dieser Jungessellenwohnung eine so haarsträubende Unordnung, dass wir uns gut vorstellen konnten, wie er unter wilden Bestien gehaust haben mochte.

 

In unserer Nähe lag die Privatschule von Fräulein Antonie Brockmeyer, einer liebenswürdigen älteren Dame, bei der es recht familiär zu ging. Zu Ostern 1914 kam Franz hier auf diese Schule. Zum ersten Male wurde ich von ihm getrennt, aber der Schmerz wurde dadurch gemildert, dass ich oft bei seinen Hausaufgaben zusah und seine Buchstaben nach malte. Im folgenden Jahr fand man es dann auch überflüssig, mich noch einmal in die unterste Klasse zu schicken und so wurde ich wieder mit Franz vereint.

 

Im August 1914 brach der Krieg aus. Meine Cousine Ada Wieman, die Tochter von Vaters ältesten Bruder, heiratete in Hamburg den dänischen Reeder Knud Faber. Ich sollte bei derTrauung am 1. August Blumen streuen. Das hübsche Kleidchen lag bereit und ich war voller Vorfreude. Da wurden in der allgemeinen aufregung alle Feierlichkeiten abgesagt und ich durfte nicht mitfahren. Meine Entäuschung war so groß, dass ich schreiend in den Garten lief, mich auf den Rasen warf und bitterlich weinte.

 

Hochzeitsbild von Knud und Ada ( geb. Wieman ) Faber

 

am 31?. Juli 1914

 

die Reihen links vom Brautpaar stehend von links

zwei Unbekannte - Maria und Franz Pöppelmann -Grethi Wieman

 

sitzend von links

zwei Unbekannte- Franz Wieman

 

 

die Reihen rechts vom Brautpaar sitzend von links

 

zwei Unbekannte - Sophia Wieman geb. Thüssing

1. Reihe stehend von links

 

Anna Wieman- drei Unbekannte Personen -Otto Wieman

 

direkt über Anna der Herr mit der weißen Fliege ist Paul Wieman

 

und die junge Frau ganz oben rechts, welche den Arm aufstützt ist Elisabeth Wieman geb. Wehmeyer

(1910 verheiratet) die anderen Personen sind unbekannt.

 

 

Zu Anfang des Krieges herrschte ungeheure patriotische Begeisterung. Der Mann unseres Mädchens, der treuen Auguste, war schon in den ersten Tagen eingezogen worden und sein Regiment sollte bald ausrücken und über die Ohlsdorfer Chaussee marschieren. Natürlich wollte sie sich das anschauen und nahm uns mit. Da sahen wir die jungen Burschen in ihren feldgrauen Uniformen in Schritt und Tritt singend an uns vorüber ziehen und der Menschenmenge am Straßenrand, die ihnen entgegen jubelte , zuzuwinken. Wie viele mochten nicht heimgekehrt sein!

 

Zu Mutters dreißigstem Geburtstag wurden wir in die feierliche Gratulation einbezogen. Mutter durfte nicht erscheinen, bevor sie gerufen wurde. Vter stellte uns rechts und links neben sich auf, wickelte sich einen Schal um den Kopf und rief Mutter, die nun langsam die Treppe herunterstieg und zuhörte, wie Vater ihr entgegen sang:

 

„Schier dreißig Jahre bist du alt,

hast manchen Sturm erlebt“,

 

 

ein Soldatenlied, das ein ausgedienter Veteran an seinen alten Mantel richtet! !

 

 

Franz Adolf Otto Wieman mit seiner Ehefrau

Mathilde Dorothea geb. Ficker

 

 

 

Anfangs hatte man mit einem kurzen siegreichen Krieg gerechnet und musste nun sehen, dass er sich in die Länge zog. Die Versorgung war schwierig, die Nahrungsmittel wurden rationiert. Meine Eltern, sehr besorgt um unsere Gesundheit, wollten uns nicht in der Stadt lassen. Sie vertrauten Franz und mich einer Erzieherin an, Fräulein Hanna Hanke und schickten uns mit ihr aufs Land. Mutter blieb mit unserem Brüderchen Otto-Clemens, der im Mai 1914 geboren war, allein zu Haus.

 

So begann unser Wanderleben. Zuerst kamen wir nach Bad Rothenfelde im Teutoburger Wald und wohnten in der Villa Börger, die unmittelbar am Waldesrand gelegen war. Wir konnten stundenlang im Wald spielen, die Ameisen , Eichhörnchen und Vögel beobachten oder auch still im Moos liegen und einfach lauschen. Das herrliche Leben nahm ein Ende, als wir Keuchhusten bekamen und ins Krankenhaus nach Dissen übersiedelten. Fräulein Hanna, der unsere Eltern großes Vertrauen geschenkt hatten, missbrauchte bald ihre Freiheit und entpuppte sich als regelrechter Tyrann.

 

Als Patienten bekamen wir täglich ein Frühstücksei, was damals schon eine Seltenheit war. Fräulein Hanna nahm regelmäßig einem von uns beiden das Ei weg und verspeiste es genüßlich vor unseren Augen, damit wir lernten , manierlich ein Ei zu essen.

 

Nachdem wir gesund waren, ging es nach Osterkappeln bei Osnabrück. Der Krieg ging weiter, ebenso die Quälereien von Fräulein Hanna. An mir konnte sie ihre sadistischen Neigungen nicht so sehr auslassen wie an dem geduldigen Franz. Eines Tages sperrte sie ihn ein, verkleidete sich mit einem schwarzen Tuch, stieg auf einen Stuhl und stieß von dort oben schauerliche Töne aus, so dass Franz jämmerlich weinte und schrie. Noch jahrelang wirkte sich dieses Erlebnis so in ihm aus, dass er in panische Angst geriet, wenn er im Dunkeln ein Geräusch hörte.

 

Sie wandte als beliebte Strafe an , uns am frühen Nachmittag ins Bett zustecken. Da ging sie dann ganzen Abend mit „Herrn Assessor“ spazieren.

Vater kam einmal im Urlaub kurz auf Besuch zu uns. Ich erzählte ihm voller Empörung, wie wir behandelt wurden. Erfragte Franz,ob es wahr sei, dass wir so viel geschlagen würden und der arme verschüchterte junge antwortete: „Nur wenn wir es verdient haben.“ Also blieb alles beim Alten. Ich aber gab nicht auf und wollte Vater einen ausführlichen Brief schreiben, hatte mir gut überlegt, dass ich für Feldpost kein Porto brauchte und ihn heimlich befördern konnte. Gerade hatte ich mich ans Werk gesetzt, im selben Augenblick kam Fräulein Hanna ins Zimmer und fragte an wen ich da schreiben wollte. In meiner Verzweiflung log ich: „An Dich“ „Das ist nicht nötig!“ sagte sie und nahm den Briefbogen fort.

 

Um näher bei Verwandten zu sein, siedelten wir im März 1917 wieder nach Rothenfelde über. Dort kamen wir auf die Schule und entgingen somit weithin der Erziehung von Fräulein Hanna.

 

In Rothenfelde gab es eine lange Wandelhalle in der man herrlich Rollschuh laufen konnte. Wir waren in voller Fahrt, da eilte Fräulein Hanna herbei, schwenkte ein Telegramm in der hand und verkündete uns , das wir ein Brüderchen bekommen hatten. Das war Karlheinz, das originellste Kind von allen, das uns mit seinen drolligen Einfällen oft zum Lachen brachte. Der nüchterne Otto-Clemens wollte es ihm später gern nach tun und versuchte seinerseits , witzige Sprüche hervorzubringen. Wenn zu seinem Leidwesen niemand darüber lachte, machte er selber auf sich aufmerksam und rief :“Hi,hi Witz gemacht“. An einem bitterkalten Wintertag leckte Karlheinz wissbegierig an einem eisernen Wagenrad. Sofort klebte seine Zunge daran fest und konnte nur durch eine schmerzhafte Amputation, die der kleine Mann mit herzzerreißendem Gebrüll begleitete, wieder losgelöst werden.

 

Je mehr der Krieg sich in die Länge zog, umso mehr wurde die Blockade, welche die Feindmächt4 um Deutschland legten,für die Bevölkerung spürbar. Die Lebensmittel wurden immer knapper, die Steckrübe war das Standard Gemüse für die hungernden Menschen. Ein Spottlied sang:

 

„ Die Rüben, die Rüben die haben mich vertrieben.

Hätt' meine Mutter etwas anderes gekocht,

wär' ich zu Hause geblieben!“

 

Nach der Geburt von Karlheinz war Mutter mit den beiden Kleinen in ihre Heimat Quakenbrück gezogen, weil hier die Verhältnisse noch etwas erträglicher waren und holte uns nach einiger Zeit zu sich. Da endlich kamen Fräulein Hannas Schandtaten ans Licht und sie wurde endlich entlassen.

 

Mathilde mit ihren drei Brüdern

1919

 

Als der Krieg vorüber war, fanden wir uns endlich wieder daheim zusammen. Nun begann ein frohes Familienleben. Franz und ich kamen Ostern1919 in die „Sexta“ (5. e Klasse auf dem Gymnasium) in verschiedenen Schulen, waren also getrennt, aber nicht für lange Zeit.

Wir waren blasse Nachkriegskinder und brauchten längere Erholung. Im März 1920 brachte Vater darum Franz und mich in ein Kinderheim auf Borkum. Als wir im August von Borkum heimkamen, wurden wir an das Bett unseres jüngsten Bruders Paul geführt, der im Mai geboren worden war.

 

 

 

Zu Hause lernten wir nun unsere Großmütter richtig kennen. Beide verbrachten monatelang den Winter bei uns, einmal Vaters Mutter (Sophia Barbara geb. Thüssing), im anderen Jahr, meine Patin , Mutters Mutter (Louise Auguste Mathilde geb. Schade , verh. Ficker). In unseren Augen waren sie uralt, entsprechend dem Psalmwort : „Unser Leben währt 70 Jahre, und wenn es hoch kommt, sind es 80“ (Ps. 90,10), obwohl sie dieses biblische Alter noch gar nicht erreicht hatten. Beide trugen schwarze Kapotthütchen, die mit einer langen Nadel befestigt wurden, was ich gern beobachtete. Wir hatten gute Beziehungen zu ihnen gingen mit ihnen spazieren oder sie spielten mit uns. Vaters Mutter brachte uns Skat bei, den ich mit solcher Begeisterung spielte, dass es beinahe zur Leidenschaft wurde. Wegen ihrer schlechten Augen war es ihr lieb, dass ich ihr vorlas. Stieß ich auf ein Fremdwort, das ich nicht kannte, dachte ich , es ginge ihr ebenso. Dann unterbrach ich die Lektüre und fragte Großmama, ob sie es wohl verstünde. Sie meinte lächelnd: „Lies nur weiter, Kind“. Und wenn ich ihr Geschichten erzählte und dabei meiner Fantasie freien Lauf ließ, höre ich sie noch mit Kopfschütteln sagen: „ Tüterkram, Tüterkram!“

 

Onkel Paul wohnte in Lübeck. Wenn wir bei ihm zu Besuch waren, fuhr er mit uns spazieren, meistens an die Ostsee. Ging es um eine Kurve, durfte ich die Hupe bedienen, während meine Cousine den Arm ausstreckte, um die Richtung anzuzeigen. Einmal sagte er :“Kinder passt auf, jetzt fahren wir ganz schnell, 40 Kilometer in der Stunde!“

 

Überall ließen die Eltern uns Freiheit zu persönlicher Initiative. Die Großzügigkeit, mit der sie uns den Zugang zum Bücherschrank erlaubten, hat uns nicht geschadet. Sie meinten wohl, dass wir uns aussuchten, was uns entsprach. Stets waren sie auch darauf bedacht , uns gute,altersgemäße Literatur zu verschaffen.Nach der Beerdigung von Mathilde Wieman geb. Ficker

 

 

Franz Wieman, Monica Wieman geb. Kolbe, Paul Wieman, ?? , Marie-Louise Wieman geb. Spiess, Bob Dyckhoff , ??, Christa Goebels. verw. Wieman und Ehemann

 

Franz und ich nutzten das so reichlich aus, dass wir richtige Leseratten wurden. Franz war mir geistig weit überlegen. Er las noch viel mehr als ich, hatte die gleichen Interessen und wusste auf viele meiner Fragen eine Antwort. Wir lebten in schönster Harmonie miteinander, leider viel zu selten, da er oft zu Sanatoriumsaufenthalten fern von daheim weilen musste.

 

Wie ging es nun in der Familie weiter? Mein Vater war herzleidend, er starb 1937 bei einem schmerzhaften Anfall von Angina Pectoris. Eines seiner letzten Worte war: " Ich liege hier und schreie, während mein Herz viel mehr ertragen hat".

 

Nach seinem Tod führte meine Mutter das gastfreie Haus meiner Eltern weiter. Mit ihren reichen Geistes- und Herzensgaben zog sie einen wachsenden Kreis religiös motivierter Menschen an, dem u.a. Lothar Schreyer und Ehepaar Eugen Jochum angehörten und der sogar einmal in einem Hamburger Jahrbuch beschrieben wurde. Mutter betreute junge Künstler und Schriftsteller, so auch Karl Adolf Sauer aus Ravensburg, der mich 1975 in dankbarer Erinnerung an sie besuchte. Sie starb ganz plötzlich den gleichen Herztod wie mein Vater. Anfang 1955 hatte sie Karlheinz in Peru besucht, erlebte im Frühjahr die Hochzeit ihres Jüngsten und ging im Oktober heim, nachdem die Handarbeit an der sie stickte, ihr entglitten war.

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Beerdigung von Mathilde Wieman geb. Ficker

 

 

Franz Wieman, Monica Wieman geb. Kolbe, Paul Wieman, ?? , Marie-Louise Wieman geb. Spiess, Bob Dyckhoff , ??, Christa Goebels. verw. Wieman und Ehemann

 

 

 

 

Franz Blieb in Hamburg, ich war im Kloster, Otto-Clemens ist nach kaum dreijähriger Ehe in Russland gefallen.

 

 

Hochzeit Christa Blumberg und Otto-Clemens Wieman

16. Juli 1939

 

1939

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die überseeischen Verbindungen seiner Frau führten Karlheinz für 23 Jahre nach Lima und Pauls Frau, ein echtes "Münchner Kindl" brachte einen bayrischen Einschlag in die norddeutsche Sippe.